Monat

Juli 2026

Neues Umfeld für das Lutherdenkmal

Fläche nahe der Marienkirche in Berlin-Mitte wird umgestaltet.

Das Lutherdenkmal in der Nähe der Berliner Marienkirche soll gestalterisch aufgewertet werden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hat für den Bezirk Mitte ein europaweites Verhandlungsverfahren abgeschlossen. Aus ihm ging der Entwurf des Planungsbüros BASD – Gerhard Schlotter und Claudia Kruschel-Bücker Architekten – in Zusammenarbeit mit den Künstlern Maria Vill und David Mannstein siegreich hervor. Das Planungsbüro verfügt über langjährige Erfahrungen bei der Sanierung von Denkmalen und legt nun einen als behutsam bezeichneten Entwurf für die Neugestaltung des an der Karl-Liebknecht-Straße auf einer öden Fläche wenig wirkungsvoll aufgestellten Bronzemonuments und seiner Umgebung vor. Der Entwurf sieht einen erhöhten Natursteinsockel, eine umlaufende Sitzbank und eine Informationsstele vor, die über die wechselvolle Geschichte der Anlage berichtet. Die Grün Berlin GmbH wird das Lutherdenkmal im Rahmen der schon begonnenen Neugestaltung des Rathausforums und Marx-Engels-Forums realisieren.

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Etwas verloren steht die Lutherfigur nicht weit von der Marienkirche am Rand der Karl-Liebknecht-Straße.

Die Aufwertung des Lutherdenkmals ist Teil der Städtebaufördermaßnahme „Berliner Mitte“, die der Senat im August 2025 in das Städtebauförderprogramm „Lebendige Zentren und Quartiere“ aufgenommen hat. Insgesamt stehen bis zu 1,5 Millionen Euro für das Lutherdenkmal und 2,4 Millionen Euro für die Gestaltung des Umfelds inklusive Baumpflanzungen bereit. Ziel ist es, das wie verloren am Straßenrand stehende Denkmal besser sichtbar zu machen und die Aufenthaltsqualität an diesem Ort zu verbessern.

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Der prämiierte Gestaltungsentwurf wird die Lutherfigur aufwerten und ihre kunst- und stadtgeschichtliche Bedeutung auf dem ehemaligen Neuen Markt neben der Marienkirche betonen.
Foto: Planungsbüro BASD

Das Lutherdenkmal von 1895 auf dem Neuen Markt an der Marienkirche verband den Reformator mit mehreren Begleitfiguren und stand auf einem Sockel mit Treppenstufen. Die Ausführung in Bronze erhöhte die repräsentative Wirkung. Die Assistenzfiguren fielen während des Zweiten Weltkriegs ähnlich wie andere Monumente sowie Kirchenglocken aus Bronze der Rüstungsindustrie zum Opfer. Die Treppenanlage wurde nach 1945 beseitigt.

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So sah das Berliner Lutherdenkmal um 1900 aus. Übrig blieb nur die Figur des Reformators aus Bronze.

Ende Oktober 1989, kurz vor dem Fall der Mauer, wurde an der Marienkirche, nicht weit vom Fernsehturm entfernt, die Bronzefigur Martin Luthers wieder aufgestellt. Die Rückführung der Bronzeplastik vom „Verbannungsort“ Stephanusstiftung in Weißensee in die Mitte der Stadt rückte ein wichtiges Werk der Bildhauerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts wieder ins öffentliche Bewusstsein.

Während anderswo Martin Luther schon auf Denkmalssockeln stand – so in Dresden, Eisenach, Eisleben, Wittenberg und Worms -, ließ man sich in der, ab 1871 deutschen Hauptstadt, einem Hort des Protestantismus, viel Zeit, dem Reformator ebenfalls ein Erinnerungsmal zu setzen. Nachdem 1885 ein „Comité für die Errichtung eines Luther-Denkmals in Berlin“ zusammengetreten war, bekam der Plan langsam Konturen. Preisträger eines künstlerischen Wettbewerbs war der in Rom lebende Paul Otto, dem wir auch das Denkmal Wilhelm von Humboldts (1886) vor der Universität verdanken. Für den Bildhauer war offensichtlich das von Ernst Rietschel für Worms geschaffene mehrfigurige Lutherdenkmal vorbildlich, eine Anlage, die zwischen 1858 und 1868 entstand. Nach Ottos Tod im Jahre 1893 vollendete sein Berliner Kollege Robert Toberentz das Berliner Lutherdenkmal, das am 11. Juni 1895 mit großem zeremoniellem Gepränge auf dem Neuen Markt an der Kaiser-Wilhelm-Straße, der heutigen Karl-Liebknecht-Straße, enthüllt wurde. Paul Otto stand für sein Lutherdenkmal reiches Porträtmaterial des 16. Jahrhunderts zur Verfügung. So war er nicht auf Vermutungen und phantasievolle Ausschmückungen angewiesen.

Wie das Monument ursprünglich ausgesehen hat, ist heute nur noch schwer nachzuvollziehen. In einer Beschreibung von 1905 heißt es: „Zu der von einer Balustrade umgebenden Plattform steigt man auf zehn Stufen empor. Aus der Mitte der zahlreichen, in charakteristischen Stellungen den Sockel umgebenden Gestalten, die Gehilfen Dr. Martin Luthers darstellend, erhebt sich die hochragende Gestalt des kühnen Reformators. In der Linken die aufgeschlagene Bibel haltend, mit der Rechten, voll heiliger Überzeugung auf die Schrift weisend“.

Nach Ottos Konzeption fanden zu Luthers Füßen treue Mitstreiter Platz. Philipp Melanchthon, Luthers engster Mitstreiter in Wittenberg, und Johannes Bugenhagen, der Reformator von Pommern, standen ihm zur Seite. An der vorderen linken Ecke des Granitsockels sah man Justus Jonas und Caspar Cruciger, Luthers Gehilfen bei der Bibelübersetzung, und an der rechten Ecke Johannes Reuchlin und Georg Spalatin. Um das Werk zu krönen, nahmen zwei weitere Persönlichkeiten der Lutherzeit Aufstellung – Franz von Sickingen, der kampfentschlossen ein Schwert über das Knie gelegt hat, und Ulrich von Hutten, der als Humanist und Dichter sein Wort für die geistige Wende erhob. Diese von Robert Toberentz geschaffenen Figuren wurden von der zeitgenössischen Kritik als bemerkenswert in ihrer kraftvollen Bewegung und scharfen Charakteristik gelobt.

Martin Luther war schon zu Lebzeiten eine Legende. Sein Konterfei wurde auf zahlreichen Holzschnitten und Kupferstichen verbreitet, sogar auf Altarbildern hat man ihn verewigt. Kaum zu überschauen ist die Zahl der Münzen und Medaillen mit dem Bildnis des Mannes, der wie kein anderer die religiösen und geistigen Grundfesten seiner Zeit erschüttert und außerdem durch die Bibelübersetzung für die Entwicklung der deutschen Sprache außerordentlich viel geleistet hat.

Obwohl Luther ein populärer Mann war und in jenen Ländern geradezu kultisch verehrt wurde, die sich zum Protestantismus bekannten, dauerte es drei Jahrhunderte, bis unter freiem Himmel ein ihm gewidmetes Denkmal aufgestellt werden konnte. Zwar hatte 1739 der Leipziger Schriftsteller Johann Christoph Gottsched anlässlich des 100. Todestages seines Dichterkollegen Martin Opitz gefordert, man möge die „Verdienste großer Männer, die ihrem Vaterlande wichtige Vortheile verschaffet, ihren Mitbürgern viel Ehre gemachet, durch ansehnliche Denkmäler und sonderbare Ehrenzeichen dem Andenken der Nachwelt empfehlen“. Doch blieben solche Monumente zunächst Monarchen und Feldherren vorbehalten.

Im Zuge der Aufklärung und angesichts der Erschütterungen, die die französische Revolution von 1789 dem Feudalsystem beibrachte, wurden verdienstvolle Persönlichkeiten bürgerlicher Herkunft und Profession, also auf Gelehrte, Geistliche, Politiker und Künstler, in das ehrende und eherne Gedächtnis einbezogen. Den Anfang mit einem öffentlichen Lutherdenkmal machte Wittenberg, die langjährige Wirkungsstätte des Reformators.

Nach dem Wiener Kongress (1815) waren große Teile des katholisch regierten Königreichs Sachsen, das mit den Franzosen zu den Verlierern der Völkerschlacht bei Leipzig von 1813 gehörte, an Preußen gefallen. Dessen Herrscherhaus, die Hohenzollern, hatte sich 1539 zu Luthers Lehre bekannt. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, der 1815 in den Besitz der Kernlande des Lutheranertums gekommen war, fühlte sich verpflichtet, Luthers Erbe zu pflegen und zu bewahren. Er erteilte dem Berliner Bildhauer Johann Gottfried Schadow den Auftrag für ein Standbild in Wittenberg. Gedacht war an „eine kolossale Bildsäule Luthers von Bronze, die Bibel in der linken Hand, auf einem viereckigen, mit angemessenen architektonischen Verzierungen versehenen Fußgestell von rotem Granit auf dem Markt zu Wittenberg“.

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Johann Gottfried Schadows 1821 in Wittenberg enthülltes Lutherdenkmal fand im 19. und 20. Jahrhundert noch manche Nachfolger. Die von Rudolf Siemering für Eisleben und von Adolf von Donndorf für Eisenach geschaffene Monumente stammen aus den Jahren 1883 Jahr und 1895.

Der König entschied, dass das Denkmal nicht in Mansfeld, wo es ursprünglich stehen sollte und für das man auch schon Geld gesammelt hatte, oder in Luthers Geburts- und Sterbestadt Eisleben, sondern im nunmehr preußischen Wittenberg aufgestellt werden soll, wo der Reformator lange gelebt hat und auch bestattet wurde. Der Grundstein wurde vom Landesherrn im Beisein der königlichen Familie und des Hofes am 1. November 1817 anlässlich der Dreihundertjahrfeier des Thesenanschlags an die Wittenberger Schlosskirche gelegt.
Am Reformationstag 1821 konnte das auf hohem Granitsockel stehende Monument samt Baldachin bei Trompeten- und Paukenschall enthüllt werden. „Abends war die Stadt erleuchtet, das Denkmal mit flammenden Pechpfannen umstellt“, notierte der Bildhauer. Erwähnt sei noch, dass es in Rom, dem Zentrum der katholischen Welt, mehr als fünfhundert Jahre dauerte, bis man sich entschloss, einen Platz nach dem deutschen Reformator zu benennen. Er ist landschaftlich schön gelegen, doch das Namensschild bescheiden und wenig ansehnlich.

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Schadow Gesellschaft Berlin: Lutherdenkmal, Marienkirche
Die Weihe der Lutherdenkmäler in Wittenberg und Worms war 1821 und 1868 die Prägung von Medaillen wert, die man an Ehrengäste verschenkte, aber auch zur Finanzierung der Ausgaben verkaufte.

Zum Wittenberger Lutherdenkmal unter einem eisernen Baldachin gesellte sich 1865 das von dem Berliner Bildhauer Friedrich Drake geschaffene Denkmal von Philipp Melanchthon. Um Einheitlichkeit zu wahren, wurde über dem „Lehrmeister Deutschlands“ und engsten Mitarbeiter Martin Luthers ebenfalls ein Baldachin errichtet, was auf lange Sicht gesehen für den Zustand der Bronzefiguren durchaus von Segen war. Das Wittenberger Lutherdenkmal war der Ausgangspunkt zahlreicher weiterer auf Marktplätzen sowie vor und in Kirchen aufgestellter Monumente zur Erinnerung an den Reformator, und man kann ohne Übertreibung sagen, dass mit Schadows Monument der Bann gebrochen wurde, denn von nun an folgte Schlag auf Schlag überall im damaligen Deutschen Bund die Errichtung von Standbildern zur Erinnerung an berühmte und verdienstvolle Persönlichkeiten. Das 19. Jahrhundert wurde so zum Jahrhundert der Denkmäler, und dabei spielten die Luther, den „Lehrer der deutschen Nation“, wie Herder 1792 sagte, gewidmeten „Bildsäulen“ eine hervorragende Rolle.

 


Text, Repros und Fotos ohne weitere Angabe: Helmut Caspar

Startschuss für den Münzfries

Mitglieder der Schadow Gesellschaft Berlin trafen sich zur Auftaktveranstaltung in der Spandauer Zitadelle.

Trotz brütender Hitze kamen am 23. Juni 2026 zahlreiche Gäste in die gut gekühlte Bastion Königin der Spandauer Zitadelle zur Auftaktveranstaltung „Restaurierung Münzfries“. Sie sahen sich in dem Raum um, in dem ab Herbst dieses Jahres die 39 Reliefs des 36 Meter langen Münzfrieses aufgestellt und vsl. ab 2027 unter den Augen der Besucher restauriert werden sollen. Wo es nötig ist, werden fragile Stellen gefestigt und vorsichtig ergänzt.

Dr. Urte Evert, die als Leiterin der Museen auf der Spandauer Zitadelle mit Team das Projekt fördert und unterstützt, freut sich auf die interessante Arbeit an und mit dem über 220 Jahre alten Relief. Der Vorstandsvorsitzende der Schadow Gesellschaft Berlin e.V., Prof. Dr. Bernd Lindemann, dankte für die Unterstützung und wies darauf hin, dass die bereits zur Verfügung stehenden Mittel für die Maßnahme von etwa 120.000 Euro die wirklichen Kosten für die Restaurierung nicht decken. Deshalb wird um weitere Spenden gebeten, um die benötigten ca. 180.000 Euro zu erreichen. Er sei zuversichtlich, dass die demnächst beginnende Restaurierung dieses einzigartigen, leider zu Unrecht vergessenen Kunstwerks viele Neugierige anziehen wird und auch die Spendenfreudigkeit belebt.

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Schadow Gesellschaft Berlin: Münzfries, Zitadelle Spandau
Dr. Andreas Kaernbach berichtete in der Bastion Königin, in dem Raum, der bereits für die Ankunft des Münzfrieses hergerichtet wurde, über die bedeutung und geschichte des Münzfrieses, wobei einige Friesteile als Fotos in Originalgröße gezeigt wurden.

Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Christina Petersen berichtete über den Stand der Verträge. Der Leihvertrag zwischen der Alten Nationalgalerie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Schadow Gesellschaft Berlin e.V. zwecks Restaurierung des Münzfrieses wurde gemeinsam erarbeitet, ebenso eine Nutzungsvereinbarung für die Räume auf der Zitadelle. Die Restauratorin Saskia Mariam Sonntag bereitet die 36 Reliefplatten aus der Zeit um 1800 so vor, dass sie Ende August beim Transport vom Kreuzbergdenkmal nach Spandau keinen Schaden nehmen.

Dr. Andreas Kaernbach, Vorstandsmitglied der Schadow Gesellschaft Berlin, hielt einen interessanten Vortrag über Geschichte und Bedeutung des nach einem Entwurf von Friedrich Gilly in der Werkstatt von Schadow gefertigten Münzfrieses. Er sprach über das wechselvolle Schicksal des Bildwerks und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Restaurierung den Bekanntheitsgrad des Münzfrieses hebt und er nach langer Abwesenheit als herausragendes Zeugnis frühklassizistischer Bildhauerkunst erkannt und anerkannt wird. Die Reliefs seien eine herausragende Schöpfung der Berliner Bildhauerei an der Wende zum 19. Jahrhundert, als sich Preußen zu einem respektablen Industriestandort entwickelte und sich im Zuge der Stein-Hardenbergschen Reformbewegung von feudalen Fesseln befreite. Die Königliche Münze am Werderschen Markt in der Nähe des Berliner Schlosses sei mehr als ein bloßes Funktions- und Fabrikgebäude gewesen, sondern ein beim König hoch angesiedeltes Bauprojekt, das den Geist der Moderne in klassizistischer Verkleidung atmet.

Heinrich Gentz, der Sohn des preußischen Generalmünzdirektors Johann Friedrich Gentz, entwickelte eine neue, an Frankreich orientierte Revolutionsarchitektur ohne barocken Bombast. Neben dem von Karl Gotthard Langhans gestalteten Brandenburger Tor war die Münze am Werderschen Markt der zweite klassizistische Bau in Berlin. Der an drei Fassaden der Münze angebrachte Fries, markiert die Geburtsstunde des preußischen Klassizismus. Er schildert das Programm der auf Fortschritt und Liberalität orientierten Regierung.

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Schadow Gesellschaft Berlin: Münzfries, Zitadelle Spandau
Über etliche Zwischenstationen gelangt der Gilly-Schadow-Fries demnächst von der anno 1800 auf dem Werderschen Markt eingeweihten Königlichen Münze jetzt in die Bastion Königin der Spandauer Zitadelle. Wer möchte, kann bald in der Bastion Königin der Reinigung und Restaurierung des klassizistischen Bildwerks zuschauen.

Im zweiten Teil seines Vortrags würdigte Andreas Kaernbach den aus Sachsen stammenden und sehr erfolgreich in Preußen tätigen Oberbergbaurat und Minister Friedrich Anton von Heinitz. Er war nicht nur für das Berg- und Hüttenwesen der Hohenzollern-Monarchie zuständig, sondern trieb mit den Reformpolitikern Karl von und zum Stein, Karl August von Hardenberg, Alexander von Humboldt und anderen die Modernisierung des preußischen Staates voran. Als Kurator der Berliner Akademie der Künste sorgte Heinitz dafür, dass Lehrlinge in den Fächern Malerei und Formgebung der KPM kostenlosen Unterricht in der Akademie erhielten.

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Schadow Gesellschaft Berlin: Münzfries, Zitadelle Spandau
Der von Daniel Beger geschaffene Kupferstich (links) zeigt Friedrich Anton von Heinitz als Minister und Chef des Berg- und Hüttendepartements in der zeittypischen Uniform. Die von Johann Gottfried Schadow geschaffene Büste aus dem Jahr 1802 zeigt den Minister und Kurator der Berliner Akademie der Künste. Der Bildhauer verdanke Heinitz viel und nannte ihn einen Mann von Geschmack und Weitblick. Johann Gottfried Schadow (rechts) widmete dem früh verstorbenen Friedrich Gilly 1801 eine Marmorbüste.

Über den Räumen der Königlichen Münze im Erdgeschoss bekamen die Mineraliensammlung und die Bauakademie ihre Räume. Die behutsame Abnahme des Reliefs von der Fassade der außer Betrieb genommenen Prägeanstalt erfolgte 1869. Über seine weitere Verwendung gab es damals Diskussionen und auch den Vorschlag, den Fries einem Museum zu überweisen. Dem Vorschlag folgte man nicht und so wurde die Bilderfolge in einen nach Plänen von Georg Heinrich Bürde (Haupt- und Nebengebäude) und Friedrich August Stüler (Fassade) in Formen der Neorenaissance gestalteten Neubau an der Unterwasserstraße eingefügt.
Das weitere Schicksal des Bildwerkes war, so Andreas Kaernbach, eine Berliner Groteske. Die Münze am Werderschen Markt wurde, in ihrem künstlerischen und politischen Wert verkannt, 1886 abgerissen, um Platz für ein Kaufhaus zu schaffen. An der Unterwasserstraße haben die Bildhauer Hugo Hagen und Rudolf Siemering um 1869 die Bilderfolge, weil sie für die neue Fassade zu kurz war, um einige Platten verlängert. Wie das geschah, hat Dr. Manfred Uhlitz in einem Beitrag für die Publikation der Staatlichen Münze „Der Münzfries von Johann Gottfried Schadow“ aus dem Jahr 2014 ausführlich geschildert und dabei auch erklärt, wie das weitere Schicksal des Reliefs aussah und wie man mit ihm nach dem Zweiten Weltkrieg umgegangen ist.

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Eine Kopie des Gilly-Schadow-Reliefs schmückt heute noch die Fassade der ehemaligen Reichsmünze am Molkenmarkt.
Hier wurde viele Jahre das Hartgeld der DDR und nach 1990 das der Bundesrepublik Deutschland hergestellt.

Am Molkenmarkt entstand in den 1930er Jahre eine weitaus größere Reichsmünze, in deren Fassade eine Kopie des Gilly-Schadow-Reliefs eingefügt wurde. Das Original verzierte, von vielen Kunstfreunden als unpassend und unwürdig empfunden, für ein paar Jahre die Fassade eines Altenwohnheims nahe dem Schloss Charlottenburg. Fünf Reliefs aus Gips wurden auf Initiative von Klaus Gehrmann, dem ehemaligen Geschäftsführer der Schadow Gesellschaft Berlin e.V., an der Fassade eines Oberstufenzentrums in Moabit befestigt.

Andreas Kaernbach stellte am Schluss seines mit großem Beifall aufgenommenen Vortrags weitere Reliefs aus dieser Zeit am Brandenburger Tor sowie am Schadow-Haus in der Schadowstraße vor.

Die Gäste sahen sich nach einem köstlichen Imbiss in der Bastion Königin um und konnen dabei auch Reste von Skulpturen betrachten, die von öffentlichen Straßen und Gebäuden Asyl in der Zitadelle erhalten haben. Nebenbei war zu erfahren, dass von den Marmordenkmälern der Generale der Befreiungskriege, Gerhard Johann David von Scharnhorst und Friedrich Wilhelm von Bülow, Kopien aus Marmor angefertigt werden. Die von Umweltschäden betroffenen Originale waren vor einigen Jahren von der Straße Unter den Linden genommen und in die Spandauer Zitadelle überführt worden. Die Kopien aus Marmor werden in einigen Jahren wieder Unter den Linden zu sehen sein.

 


Text und Fotos: Helmut Caspar

Kaiserlicher Eroberer als Lachnummer

Wie 1813 Johann Gottfried Schadow Napoleon I. und seine Entourage karikiert hat.

Englische Karikaturisten und Satiriker hatten im frühen 19. Jahrhundert ein Thema: Napoleon I., Kaiser der Franzosen und König von Italien, Europas, starker Mann und größter Feind der Briten. Diese wünschten dem aus Korsika stammenden Emporkömmling, der sich binnen weniger Jahre halb Europa untertan gemacht hatte und auf dem Sprung war, die andere Hälfte einschließlich Englands zu erobern, in die Hölle. Wenn es nach den Briten gegangen wäre, hätten sie den Kaiser gevierteilt und seinen Kopf auf einer Mistgabel durch London getragen. Grell kolorierte Karikaturen schildern, wie man sich die Abrechnung mit dem als Thronräuber, Ungeheuer und Blutsäufer verunglimpften Imperator vorstellte.

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Schadow Gesellschaft Berlin: Schadow und Napoleon I.
Ein russischer Kosak schneidet „Little Boney“, der sich an der „Leipziger Nuss“ die Zähne ausbeißt, den Lebensdocht ab (George Cruikshank, 1814). Ob Napoleon I. über seine Taten und Untaten mit dem auf einer Kanone sitzenden Tod diskutiert hat und mit sich selbst ins Gericht gegangen ist, wie es die Karikatur von Thomas Rowlandson von 1813 glauben macht, ist nicht überliefert. Selbstzweifel plagten den Emporkömmling aus der fernen Insel Korsika offenbar nicht.

Zumindest außerhalb des Machtbereichs von Napoleon Bonaparte, der sich am 2. Dezember 1804 zum Kaiser in Paris zum Kaiser krönte und Napoleon I. nannte, waren Bilder gegen „Little Boney“ der große Renner. Die Drucke fanden reißenden Absatz, gingen von Hand zur Hand und wurden kopiert und nachgeahmt. Um sein Prestige besorgt und bemüht, in der Riege der alteingesessenen Dynastien einen geachteten Platz einzunehmen, ärgerte er sich maßlos über die Frechheiten, die sich Zeichner wie John Crawse, William Elmers, James Gillray, Percy Roberts, Thomas Rowlandson, Chris Williams und Georg Moutard Woodsward und andere erlaubten. Sie machten den Herrscher immer wieder mit riesigem Hut und Schwert madig und zeigten, wie er Befehle erteilt und von seinen Leuten angehimmelt wird. Am liebsten hätte der Kaiser der Franzosen die Spötter am nächsten Laternenpfahl aufgeknüpft. Doch reichte seine Macht nicht aus, sie mundtot zu machen oder ganz auszulöschen.

Seinen Polizeiminister Josef Fouché wies er an: „Mein Wunsch ist, dass Sie den Redakteuren klar machen, dass ihre Zeitungen nicht lange überleben werden, wenn sie weiter nichts anderes als Übersetzungen von englischen Zeitungen und Bulletins bleiben; dass die Revolution vorbei ist und dass es nur noch eine Partei in Frankreich gibt, und dass ich niemals zu lassen werde, dass die Zeitungen etwas gegen meine Interessen sagen oder tun.“

Dass mit Spottbildern massiv gegen den französischen Erzfeind vorgegangen wurde, lag ganz auf der Linie der englischen Regierung, die von den eigenen Leuten als freiheitlich und volkstümlich gelobt werden wollte. Das relativ liberale England kannte im Unterschied zu Frankreich, Preußen, Russland, Österreich, Spanien und anderen Monarchien keine Zensur und ging daher auch mit den eigenen Eliten nicht zimperlich um.

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Schadow Gesellschaft Berlin: Schadow und Napoleon I.
Napoleon I., dem Herrscher der Welt, schlägt schon bald die letzte Stunde, sieht Johann Gottfried Schadow 1813 voraus. Auf dem Blatt „Die Aufteilung der Welt“ verschwindet seine auf einer Landkarte stehenden Gestalt hinter den aufgeblasenen Hofschranzen und Marschällen, die seine Befehle empfangen und verwirklichen sollen. Das zweite Blatt schildert „Die Freude der großen Nation“ angesichts eines Sieges, der aber keiner ist. Im Vordergrund sieht man, wie Hofbeamte, ein Trommler und eine Marketenderin im Gefolge der Truppen ein. Ein als „Presse“ bezeichneter Hund wird als großer Kleffer bezeichnet. Die Dame dem Wildschwein bereite uns auf das „Glück“ vor, welches alle diejenigen Städte erwartet, in denen die französische Administration einkehrt.

Was dort entstand, konnte man 2006 in einer sensationell zu nennenden Ausstellung der Stiftung Brandenburger Tor Berlin im Max-Liebermann-Haus neben dem Brandenburger Tor besichtigen. Zu sehen waren Blätter aus dem Besitz des Berliner Sammlerehepaares Sabine und Ernst Scheffler, die 2003 von der Stiftung Niedersachsen erworben und dem Wilhelm-Busch-Museum Hannover übergeben worden waren. Die Ausstellung „Napoleon – Genie und Despot“ mit einem hervorragenden, von Gisela Vetter-Liebenow verfassten Katalog wurde auch in Hannover und Oberhausen gezeigt. Anlass der Präsentation war der 200. Jahrestag des triumphalen Einzugs des Kaisers und seiner Truppen nach der Schlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 durch das Brandenburger Tor. Es begann eine Zeit der Unterdrückung und Auszehrung, die erst mit den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 beendet wurde. In dieser Zeit formierte sich Widerstand gegen die Besatzer, und dieser fand auch in deutschen Karikaturen seinen Niederschlag.

Viele Blätter tragen keinen Herstellernamen, denn für Zeichner und Drucker war es riskant, sich zu erkennen zu geben, mussten sie doch empfindliche Strafen der Franzosen und der von Napoleon abhängigen Fürsten fürchten. Nach dem Sieg der Verbündeten über Napoleon und seine Verbündeten in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 schwoll die Flut der Spottblätter an, und auch Johann Gottfried Schadow, Berliner Bildhauer, Zeichner und Akademiepräsident gab seiner Wut über das, was die Besatzer seit 1806 in Berlin, Preußen und darüber hinaus angerichtet haben, auf vier Karikaturen Ausdruck, die zum Besten gehören, was damals an politischer Satire geschaffen wurden. Im Unterschied zu den deftigen Karikaturen aus England, die die Dinge sofort auf den Punkt bringen, befleißigen sich die Schadow’schen Blätter einer feinsinnigen Bildersprache, die sich erst erschließt, wenn man sich genau mit den Details befasst. Auf Karikaturen anderer Künstler wird viel deftiger gezeigt, wie sich der Kaiser am selbst entfachten Feuer die Finger verbrennt, sich an der „Leipziger Nuss“ die Zähne ausbeißt oder nach der Niederlage von 1812 in Russland von einem Kosaken attackiert wird. Little Boney, dem die Mächtigen dieser Erde in besseren Tagen die Stiefel küssten, wird irgendwann vom Teufel geholt, und aus seinen ängstlich aufgerissenen Augen kullern dicke Tränen, nicht die der Reue, sondern die der Angst vor dem Gericht der Völker. Er signierte sie als Reverenz an den englischen Karikaturisten mit „Gilrai“ und gab Paris als Ausgabeort an. In seinem Erinnerungsbuch von 1849 „Kunstwerke und Kunstansichten“, das von Götz Eckardt 1987 als kommentierte Neuausgabe im Henschel Verlag Kunst und Gesellschaft Berlin neu herausgegeben wurde, waren die Blätter für Schadow nur ein paar Zeilen wert. „Ich zeichnete vier Blatt Karikaturen, die, wie natürlich, den bis dahin mächtigsten Mann unter den Lebenden sowie seine Marschälle und Grand-Fonctionnaires de l’Empire gar verkleinert darstellen.“

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Schadow Gesellschaft Berlin: Schadow und Napoleon I.
Das Blatt „Kreuzzug nach Berlin“ zeigt, wie sich der Kaiser den Marsch seiner Soldaten auf die preußische Hauptstadt vorstellt. Breitbeinig steht er auf einem Feldherrnhügel und erteilt seine Befehle. Doch in der Schlacht von Großbeeren am 23. August 1813 wurden die Franzosen so sehr geschlagen, dass sie nicht mehr nach Berlin marschieren konnten. Das Hallesche Tor auf dem vierten Blatt könne laut Schadow wohl auch Triumphtor heißen, denn was gegen den Feind zog und was an Gefangenen und Beute ankam, sei durch dieses Tor gegangen. Schadow schrieb am 1. Februar an seinen Freund, den Philologen, Archäologen, Pädagogen und Schriftsteller Carl August Böttiger, der Bär sei das Stadtwappen Berlins. Die französischen Offiziere hätten geglaubt, den Bären gezähmt zu haben, aber er habe sein Naturell wieder zurück.

Johann Gottfried Schadow bat den Satiriker Theodor Heinrich Friedrich um Erläuterungen seiner Blätter. Napoleon erscheine in seiner konzentrierten Gedrungenheit und Unumstößlichkeit auf sich allein gestützt, eine selbstständige Größe, ein verkörperter kategorischer Imperativ, fest und unerschütterlich, wie das Fatum wurzelt sein Fuß in die Erde, die wie ein bunter Teppich unter ihm ausgebreitet ist, schrieb Friedrich. Der damals viel und gelesene Schriftsteller. August von Kotzebue schrieb in seinen „Politischen Flugblättern“, in Berlin seien vier allerliebste Karikaturen erschienen, die ersten deutschen Kunstwerke dieser Art, die Hogarts Geist atmen. „Sie sind aber auch von Meisterhand, obgleich der Meister Gründe hat, sich nicht zu nennen. Nicht bloß die Erfindung ist witzig, sondern die Köpfe sind alle so ausdrucksvoll, dass man über viele derselben lachen muss, wenn man sie auch schon 20mal gesehen hat. Möchte doch der verdienstvolle Veteran uns noch recht viele solcher Spiele seines Witzes liefern.“

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Schadow Gesellschaft Berlin: Schadow und Napoleon I.
Schadows Karikatur „Anfang vom Ende“ war so erfolgreich, dass sie auch farbig koloriert nachgedruckt wurde. Der Kaiser muss sich anhören, was ihm der Zar von Russland, der Kaiser von Österreich, der König von Schweden und der König von Preußen aufspielen, während auf der Bühne im Hintergrund einige Fürsten von des Franzosenkaisers Gnaden mit Sack und Pack ihren Abgang ins Privatleben vorbereiten. Wohin der Kaiser auch fliehen will, der Teufel wird ihm immer folgen, heißt es in einem Gedicht zu diesem Bild. Rechts duellieren sich Napoleon und der preußische „Marschall Vorwärts“ Gebhard Leberecht von Blücher. Zeitgenossen schauen gelangweilt bis entsetzt zu, wie dieser Zweikampf ausgeht.

Gegen Schadows feinsinnige, zum Nachdenken anregende Zeichnungen gab es auch Einwände, und so liest man in dem Katalog zur schon erwähnten Ausstellung von 2006, dass ein Berliner Grafikhändler befand, Bonaparte als Nussknacker, als einer, der da einen Bock geschossen, oder Bonaparte, der eingeseift und balbiert wurde, seinen Stücke, die „Abgang“ (also Absatz, H. C.) fänden. Der gleichen Durcheinander wie auf Schadows Zeichnungen hingegen wäre für die meisten Leute unleserlich, „und mit dem Buchstabieren könnten sich erwachsene Patrioten nicht abgeben.“ Schadow ließ sich nicht beirren, sondern schuf in seinem unverkennbaren Stil weitere Karikaturen, von denen einige so erfolgreich waren, dass von ihnen kolorierte Kopien hergestellt wurden.

 


Text und Fotos: Helmut Caspar
Repros aus dem Katalog von 2006 zur Ausstellung „Napoleon – Genie und Despot“ und der Edition der Lebenserinnerungen von Johann Gottfried Schadow, die 1987 von Götz Eckardt publiziert wurden.