Month

Mai 2018

Das Schadow Haus heute

Seit 1997 gehört das Schadow Haus dem Deutschen Bundestag, der es bis 2013 für ca. 17 Millionen Euro denkmalgerecht hat restaurieren lassen. Es ist das einzige erhaltene klassizistische Gebäude der im 17. Jahrhundert angelegten Dorotheenvorstadt, gehört aber zu einer zweiten Bebauung, denn es steht auf den Fundamenten von zwei Vorgängerbauten. Daher die bis heute gültige Hausnummer 10-11.

Wie sich bei der Restaurierung herausstellte, trugen die Fundamente nicht mehr, und der Baugrund musste verfestigt werden. Eine langwierige und teure Angelegenheit. Ebenso kompliziert, verbunden mit streitbaren Auseinandersetzungen, war die Erhaltung des wohl ältesten Dachstuhls von Berlin, der durch ein falsches Holzschutzmittel vergiftet war. Gerade noch vor seiner Vernichtung setzte sich der Vorschlag durch, die kontaminierten Teile zu versiegeln. Foto des heutigen Hauses

Von Mai bis November 2010 ist die Fassade mit dem ursprünglich aprikosenfarbenen Anstrich versehen worden. Die durch die Schadow Gesellschaft restaurierten Originale der Supraporten sind wieder angebracht. Auch im Hof sind die Fassaden gestrichen. Leider ist nur einer der beiden marmornen Kellerhälse stehen geblieben. Der weiße Maulbeerbaum, der sich in der Mitte des Hofes befand, ist an der gleichen Stelle nachgepflanzt worden. Auch Ridolfo Schadows “Paris“ Figur ist als Geschenk der Schadow Gesellschaft in seiner angestammten Nische wieder aufgestellt. Acht Reliefplatten von J.G. Schadow, ebenfalls ein Geschenk der Schadow Gesellschaft Berlin, hängen wieder im Eingangsbereich des Hauses Ebenso wird der Amor aus Eisenguss, der ursprünglich in dem hinter dem ehemaligen Atelierbau gelegenen Garten stand, als Leihgabe des Denkmalamtes jetzt im Hof seinen Platz finden.

Hoffentlich wird die schön wieder hergerichtete Haustür, die in den Durchgang zum Treppenhaus und zum Hof führt, für den Besucher nicht ständig verschlossen bleiben. Das Haus betritt man nämlich jetzt durch einen daneben gesetzten gläsernen Anbau mit Behinderten gerechtem Aufzug.

Im Durchgang sind die von der Schadow Gesellschaft gesponserten und dem Bundestag geschenkten Reliefs wieder angebracht, wenn auch nicht mehr in die Wände eingelassen, sondern daran befestigt. Wie der Durchgang zu Schadows Zeit aussah, wissen wir nicht. Vielleicht haben Schadows Reliefs sich schon damals dort befunden. Beim Umbau des Hauses 1851 hat der Sohn Felix Schadow den Treppenaufgang verlagert und in den Zwickeln der davor gesetzten Rundbögen Reliefporträts in Tondoform von Eduard Bendemann und seiner Frau Lida, geb. Schadow auf der rechten Seite oben anbringen lassen. GegenReliefs_Eingangüber wurde die Wand ebenfalls mit Rundbögen versehen und in die Zwickel Reliefporträts von Julius Hübner, Peter Cornelius und Karl Friedrich Schinkel eingelassen. Alles Personen, die einen mehr oder weniger nahen Bezug zu dem Haus haben. Doch die Auswahl wirkt etwas willkürlich, und so kann man vielleicht annehmen, dass die Anregung dazu von Felix Schadows Schwiegermutter ausging, von Agnes d’Alton-Rauch, der Lieblingstochter des Bildhauers Christian Daniel Rauch, denn Felix hatte Rauchs Enkelin Eugenie geheiratet. Rauch hatte für die Familie seiner Tochter und für sich 1835 ein als Altersrefugium gedachtes Haus bei Halle bauen lassen, das er bildhauerisch ausschmückte. Als das Besondere dieses Schmucks galt das so genannte „Hallesche Wandstammbuch“, das im Flur und den inneren Treppenaufgängen befestigt wurde. Rauch benutzte dazu Porträts von Familienangehörigen, Kollegen, Freunden, Bekannten und Schülern. Vielleicht haben Felix, Eugenie und Agnes d’Alton-Rauch eine ähnliche Ausschmückung für das Schadow Haus im Sinn gehabt und dazu die Tondi, die schon im Besitz Schadows waren, verwandt.

Sphinx mit DeckenmalereiDie jetzige Restaurierung im Innern des Hauses orientiert sich hauptsächlich an den Befunden der Ausstattung des von Schadows Sohn Felix 1851 ausgeführten Umbaus. Der ursprüngliche Zustand von 1805 blieb dabei aber „denkmalpflegerischer Ausgangspunkt“. Heute besitzt das Haus ca. 16 Innenräume, zwei Treppen und eine Durchfahrt.

Alle Zimmer des ursprünglichen Hauses waren ausgemalt. Genaue Untersuchungen verschiedener Restauratoren brachten erstaunliche Reste der ersten Bemalung zutage, so dass man sich vor die Frage gestellt sah: soll man diese ursprüngliche Bemalung in sog. „Fenstern“ zeigen und das Übrige unifarben angleichen, oder soll man die ursprüngliche Bemalung ergänzen und dabei das Originale in seinem Zustand belassen. Für Letzteres hat man sich entschieden. So zeigen sich die Zimmer heute in einer „reduzierten Neugestaltung“ und vermitteln dem Besucher durch die farbig gegliederten Wände mit illusionistischer Architekturmalerei einen guten Eindruck von Schadows eleganter, durch die königlichen Schlösser beeinflusster Zimmerausmalung. Auch Gegenständliches kam durch die Restauratoren in den Supraporten zutage: so ist im Schlafzimmer eine Vase oder Urne und in einem der Vorderzimmer eine Sphinx zu sehen.Deckenkassette

In der oberen Etage, seit 1831 von der befreundeten Familie des Bankiers Anton Bendemann bewohnt, ist der damalige Zustand wieder hergestellt worden, da die Wohnung vor dem Einzug der Bendemanns aufwendig instand gesetzt wurde. Der schönste Schmuck des Hauses ist das große im Salon von Frau Bendemann 1837 angebrachte Wandbild „Die Künste am Brunnen der Poesie“. Es wurde gemalt von ihrem Sohn Eduard Bendemann, der in Düsseldorf bei Wilhelm Schadow als Maler ausge-bildet worden war. Allein wegen dieses für Berlin ganz einmaligen Bildes, auf dem Mitglieder der Familie Schadow und ihre aus jüdischem Umkreis stammende Freunde zu sehen sind, wäre zu wünschen, dass das Haus zukünftig hin und wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Auch der Hof sollte für festliche Gelegenheiten gelegentlich genutzt werden dürfen in Erinnerung an Schadows bekannte große Gastfreundlichkeit, die von Achim von Arnim in einem Brief an Goethe 1806 beschrieben wird, wo es heißt, dass „die Kellerhälse im Hof aus großen Marmorplatten auf viereckten Marmorsäulen ruhend mit bunter Winde an Bindfäden im Sommer bezogen“ gewesen seien, und er stellt die Frage: „Wer hätte da nicht gerne im Sommer Wein schenken mögen allen Bildhauern zum Willkomm“?

Leider ist von der ursprünglichen Möblierung der Zimmer nichts erhalten geblieben. Um sich einen Eindruck ähnlicher Einrichtung zu verschaffen, kann man das neben der Nicolaikirche gelegene Knoblauchhaus, das Geburtshaus des Architekten Eduard Knoblauch, in Berlin besuchen, das heute dem Stadtmuseum Berlin angeschlossen ist, und 1989 als Museum für „Berliner Wohnkultur des Biedermeier“ eröffnet wurde. Nachkommen der Familie Knoblauch stifteten Möbel, Bilder und Dokumente aus der Zeit um 1830. Die Ausmalung einiger Räume in spätklassizistischer Manier fällt jedoch viel bescheidener aus als Schadows Ausmalung von 1805. Man findet im Knoblauch Haus auch noch einen Ofen von Feilner.

Früher hat es in der Bibliothek sogar einen gegeben, der als Bekrönung Schadows von der KPM in Porzellan nachgebildeten Mars trug. Solche Öfen von dem mit Schadow befreundeten Ofenfabrikanten Tobias Feilner ausgeführt, hatte Schadow in seinem Haus vor seiner zweiten Ehe um 1817 einbauen lassen. Bilder und Porträtgemälde, wie sie ähnlich bei Schadows und Bendemanns gehangen haben, kann man ebenfalls im Knoblauch Haus sehen.

Über die zukünftige Nutzung des Schadow Hauses ist viel diskutiert worden. Der Deutsche Bundestag hat entschieden, es als Bürogebäude Wandbild_Bendemannzu nutzen und hat die dafür notwendigen Anschlüsse und Sicherheits- maßnahmen auch eingerichtet. Eingezogen ist die Verwaltung der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages mit einem Kurator und mehreren Beamten. Wird in diesem ehemaligen Künstlerhaus nun auch keine Kunst mehr gemacht, so wird sie doch wenigstens verwaltet. Als „Schadow Gesellschaft Berlin“ sind wir sehr froh und dankbar, dass wir zwei kleine Räume im linken Seitenflügel mieten und jetzt als Treffpunkt und Büro nutzen können.

Die Übergabe des Hauses vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung an den Deutschen Bundestag fand am 12. Juni 2013 im Rahmen einer festlichen Einweihung statt. Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU), Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), Vizepräsident Eduard Oswald (CSU), viele Abgeordnete und Vertreter der Schadow Gesellschaft Berlin e.V. waren anwesend. Vizepräsident Thierse nahm den historischen Schlüssel zum Schadow Haus von der Präsidentin des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung, Frau Rita Ruoff-Breuer, in Empfang.

Monika Peschken-Eilsberger
Mitglied des Kuratoriums der Schadow Gesellschaft Berlin e.V.


Foto (Hausansichten) Claudia Czok; Foto: Sabine Mildebrath (Bendemann-Fresko)

» Artikel als PDF

Hausbesuch bei Martin Luther

Tagesfahrt der Schadow-Gesellschaft am 10. Mai 2017 zu den Erinnerungsstätten der Reformation in Wittenberg

Einzelheiten erfuhren Mitglieder der Schadow Gesellschaft Berlin e. V. bei einer Tagesfahrt am 10. Mai 2017 in die Stadt, die von 1511 bis zu seinem Tod 1524 seine wichtigste Wirkungsstätte des Theologen war. Den Teilnehmern hat der bekannte Maler, Grafiker und stellvertretende Vereinsvorsitzende Johannes Grützke eine launige Zeichnung dediziert, genannt „Schadow erschrickt – sein kleines Luthermodell hat sich aufgeblasen“.

Auf dem Programm standen eine Stadtrundfahrt, der Besuch der frisch restaurierten Schlosskirche, in der Martin Luther, sein wichtigster Mitstreiter Philipp Melanchthon sowie fürstliche Zeitgenossen bestattet sind, ferner die Besichtigung des Wittenberg-Panoramas „Luther 1517“ von Yadegar Asisi, des Wohn- und Atelierhauses von Lucas Cranach und der Lutherhalle, des größten reformationsgeschichtlichen Museums der Welt.

Martin Luther war schon zu Lebzeiten eine Legende. Sein Konterfei wurde auf zahlreichen Holzschnitten, Kupferstichen und Gemälden verbreitet, und auch auf Altarbildern hat man ihn verewigt. Kaum zu überschauen ist die Zahl von Münzen und Medaillen mit dem Bildnis des Mannes, der wie kein anderer die religiösen und geistigen Grundfesten seiner Zeit erschüttert hat und außerdem durch die Bibelübersetzung große Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Sprache besaß. In der Lutherhalle kann man eine Fülle von gedruckten, gemalten und geprägten Beispielen für die geradezu kultische Verehrung sehen, die dem 1483 in Eisleben geborenen und 1546 ebendort verstorbenen Reformator genoss und weiter genießt. Zu sehen sind dort auch Gegenstände aus dem Haushalt von Martin und Katharina Luther, deren Denkmal im Hof der des Museums steht, das zu Luthers Zeiten Augustinerkloster war und danach Sitz der 1502 von Kurfürst Friedrich dem Weisen gegründeten Universität.

Obwohl Martin Luther ein populärer, ja ein Mann von geradezu weltgeschichtlichem Zuschnitt war, dauerte es drei Jahrhunderte, bis ein erstes Standbild unter freiem Himmel aufgestellt wurde, das von Schadow geschaffene Denkmal auf dem Markt zu Wittenberg direkt vor dem Rathaus. Zwar hatte schon 1739 der Leipziger Schriftsteller Johann Christoph Gottsched anlässlich des 100. Todestages seines Dichterkollegen Martin Opitz gefordert, man möge die „Verdienste großer Männer, die ihrem Vaterlande wichtige Vortheile verschaffet, ihren Mitbürgern viel Ehre gemachet durch ansehnliche Denkmäler und sonderbare Ehrenzeichen dem Andenken der Nachwelt empfehlen“. Doch blieben öffentliche Denkmäler im 18. Jahrhundert nur Monarchen und Feldherren sowie heiligen Männern und Frauen vorbehalten. Im Zuge der Aufklärung und angesichts der Erschütterungen, die die französische Revolution von 1789 dem Feudalsystem beibrachte, folgte eine Neuorientierung auch auf verdienstvolle Persönlichkeiten bürgerlicher Herkunft und Profession, also auf Gelehrte, Geistliche, Politiker und Künstler.

Wittenberg war 1815 mit weiteren Teile des von den katholischen Wettinern regierten Königreichs Sachsen, das mit den Franzosen zu den Verlierern der Völkerschlacht bei Leipzig gehörte, an Preußen gefallen. Dessen Herrscherhaus, die Hohenzollern, hatte sich 1539 zu Luthers Lehre bekannt. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen fühlte sich verpflichtet, Luthers Erbe zu pflegen und zu bewahren. Er erteilte dem Berliner Bildhauer Johann Gottfried Schadow den Auftrag, für Wittenberg ein Standbild des Reformators zu schaffen. Gedacht war an „eine kolossale Bildsäule Luthers von Bronze, die Bibel in der linken Hand, auf einem viereckigen, mit angemessenen architektonischen Verzierungen versehenen Fußgestell von rotem Granit.“

Bereits 1806 hatte sich Schadow an einem von der „Vaterländischen-literarischen Gesellschaft der Grafschaft Mansfeld“ ausgeschriebenen Wettbewerb zur Errichtung eines Lutherstandbildes in Mansfeld beteiligt. Doch war die Verwirklichung der von verschiedenen Bildhauern und Architekten eingesandten Vorschläge von zum Teil geradezu monumentalem Zuschnitt und daher viel zu teuer durch den Einfall der französischen Heere „gehemmt“, wie Schadow in der Rückschau notierte, also durch die kriegerischen Ereignisse des Jahres 1806 und die preußische Niederlage von Jena und Auerstedt. In ihrem Ergebnis hat der siegreiche Napoleon I. Preußen erdrückende Friedensbedingungen auferlegt, während sich das mit Hilfe des französischen Kaisers zum Königreich erhobene, seit August dem Starken katholisch regierte Sachsen territorial stark ausweitete und im Übrigen wenig Neigung zeigte, den rebellischen Luther auf besondere Weise zu ehren.

Erst 1816, kurz vor der Dreihundertjahrfeier der Reformation, wurde das Denkmalprojekt wieder aufgegriffen. Friedrich Wilhelm III. entschied, dass das Denkmal nicht in Mansfeld, für das die erwähnte Gesellschaft schon Geld gesammelt hatte, beziehungsweise in Luthers Geburts- und Sterbestadt Eisleben, sondern im preußisch gewordenen Wittenberg aufgestellt wird. Schadow standen vielfältige Bildnisse als Vorlagen zur Verfügung, doch keine genügte ihm, wie die Kunsthistorikerin Dr. Claudia Czok, erklärte. Doch dann habe er bei einer Rundreise durch das mittlere Deutschland, die ihn auch nach Wittenberg führte, im Lutherhaus zu Eisleben ein überlebensgroßes Porträt gesehen, das seinen Vorstellungen entsprach. Er zeichnete die Vorlage ab und reichte die Kopie samt weiteren Unterlagen bei der preußischen Regierung ein, die zustimmte. Ursprünglich hatte sich Schadow, der in seinem Erinnerungen von 1850 von sich immer in der dritten Person schreibt, im Zusammenhang mit Luther „reichere Kompositionen“ ausgedacht, musste sich aber bescheiden. „Nachdem er (Schadow, H. C.) aber auf den desfallsigen Reisen in Sachsen und im Hessenlande sowohl in Skulptur wie in der Malerei gesehen hatte, daß man unsern großen Reformator immer mit der Bibel in der Hand dargestellt hatte, so bewog es ihn, dies als eine Autorität anzusehen, von der man nicht abweichen dürfe, und in dieser Einfachheit traf er auch den Sinn seines Königs“. Der Monarch war von der Lutherfigur angetan und lobte bei einem Atelierbesuch insbesondere die rechte Hand, wie Schadow notiert, die auf die Bibel zeigt.

Der Grundstein für das Denkmal wurde von Friedrich Wilhelm III. im Beisein der königlichen Familie und des Hofes am 1. November 1817 anlässlich der Dreihundertjahrfeier des Thesenanschlags an die Wittenberger Schlosskirche gelegt. Vier Jahre später war das Monument fertig gestellt. Mit einem Staatsakt wurde es feierlich bei Trompeten- und Paukenschall enthüllt, und die Bewunderung für Schadows Werk war groß. Am Reformationstag 1821 konnte das auf hohem Granitsockel stehende Monument samt Baldachin enthüllt werden. „Abends war die Stadt erleuchtet, das Denkmal mit flammenden Pechpfannen umstellt“, notierte der Bildhauer.

Vom preußischen Kronprinzen und ab 1840 König Friedrich Wilhelm IV. stammt die Idee, Luther unter einen gusseisernen Baldachin zu stellen. Der von Schadow überlieferte Einwand des Hofrats Alois Hirt, das sei unpassend, „denn Luther habe ja Licht verbreitet und das Gotische sei ein Rückschreiten in die finsteren Jahrhunderte“, wurde beiseite geschoben. So hat man den Reformator in der Tracht des 16. Jahrhunderts unter ein neogotisches Dach nach Schinkels Entwurf und damit gleichsam in einen geschlossenen Raum gestellt.

Zum Wittenberger Lutherdenkmal gesellte sich 1865 das von dem Berliner Bildhauer Friedrich Drake geschaffene Denkmal von Philipp Melanchthon. Um Einheitlichkeit zu wahren, wurde über dem „Lehrmeister Deutschlands“ und engsten Mitarbeiter Martin Luthers ebenfalls ein Baldachin errichtet, was auf lange Sicht gesehen für den Zustand der Bronzefiguren durchaus von Segen war. Das Wittenberger Lutherdenkmal war der Ausgangspunkt zahlreicher weiterer auf deutschen Marktplätzen sowie vor und in Kirchen aufgestellter Monumente zur Erinnerung an den Reformator, und man kann ohne Übertreibung sagen, dass Schadows Monument den Bann gebrochen hat, denn von nun an folgte Schlag auf Schlag überall im damaligen Deutschen Bund die Errichtung von Standbildern zur Erinnerung an berühmte und verdienstvolle Persönlichkeiten. Das 19. Jahrhundert wurde so zum Jahrhundert der Denkmäler, und dabei spielten die Luther, den „Lehrer der deutschen Nation“, wie Herder 1792 sagte, gewidmeten „Bildsäulen“ eine hervorragende Rolle.
Helmut Caspar

Fotos: Helmut Caspar, Reproduktion: Johannes Grützke