Schadow Gesellschaft Berlin blickt erwartungsvoll in das kommende Jahr.

Wenn die 1993 gegründete Schadow Gesellschaft Berlin e. V. am Ende eines Jahres ihre Vollversammlung veranstaltet, wird nicht nur Bilanz gezogen und nach vorn geschaut. Es werden auch zu dem Berliner Bildhauer, Grafiker und Akademiedirektor Johann Gottfried Schadow (1764-1850) und seine Zeit passende Vorträge von allgemeinem Interesse gehalten. Am 21. November sprach Dr. Jan Mende, Kurator des Knoblauchhauses bei der Stiftung Stadtmuseum Berlin und Mitglied im Kuratorium der Schadow Gesellschaft Berlin über das wenig bekannte, in die Zeit der Aufklärung und Empfindsamkeit vor und nach 1800 passende Thema „Goethe geht in Serie! Von Martin Klauer bis Johann Gottfried Schadow“. Darin vermittelte er Einsichten in den deutschen Kultur- und Kunstbetrieb vor über 200 Jahren und ging speziell auf den Weimarer Bildhauer Martin Klauer ein.

Dr. Jan Mende, Autor eines ganz neuen Buches über Leben, Werk und Wohnen von Karl Friedrich Schinkel, hat sich mit der Art und Weise befasst, wie vor und nach 1800 Büsten von Künstlern geschaffen und als Abgüsse in Gips und Ton unters Volk gebracht und wie auch die Werbung für sie ausgesehen hat.

Der Hofbildhauer und Kunstlehrer in Weimar Martin Klauer (1742-1801) schuf, dem Geist der Zeit folgend, Büsten Weimarer Klassiker mit Goethe und Schiller an der Spitze. Im 20. Band des „Teutschen Merkur“ schrieb Christoph Martin Wieland 1781: „Bey dem Fürstl. Hofbildhauer, Hr. Klauer, in Weimar, sind Gipsabgüsse der Abbildungen zu haben, welche derselbe von Herder, Göthe und Wieland, sowohl en Buste als en Medaillon vor kurzem nach dem Leben verfertigt hat. Wir sind Hrn. Klauer die Gerechtigkeit schuldig, zu gestehen, daß diese Abbildungen, sowohl was die Aehnlichkeit als was die Kunst und den Geschmack der Ausarbeitung betrifft, nichts zu wünschen übrig lassen, und in beyderley Betracht diesem geschickten Künstler Ehre machen.“ Indem Klauer seine Bildnisse, dem Geist der Zeit folgend, in Gips und Terrakotta vervielfältigte und in alle Himmelsrichtungen verkaufte, ebnete er ihnen den Weg in die guten Stuben des damaligen Lese- und Bildungsbürgertums. Jan Mende zeigte unter anderem eine Illustration eines Buchs mit Goethes Werken auf der die Musen einer Goethe-Büste huldigen. Bis dahin kannte man solche nur in fürstlichen Schlössern aufgestellten Herrscherbilder aus Marmor oder Bronze. Klauer war außer für den Weimarer Hof auch für breitere und weniger zahlungskräftige Kreise tätig. Er bewies, dass man mit solchen Nachbildungen auch wirtschaftlichen Erfolg haben kann.

Die Vervielfältigung der Bildnisse machten Künstler und Gelehrten für ein breites Publikum „merkwürdig“, wie Friedrich Schiller formulierte. Die von Klauer und anderen Bildhauern geschaffenen, nicht selten an antiken Porträts orientierten Büsten waren preiswert zu haben. Klauer hat berichtete, seine Arbeiten in dem damals viel gelesenen „Journal des Luxus und der Moden“ des Weimarer Verlegers Friedrich Justin Bertuch annonciert und auch 1792 und 1800 eigene Prospekte mit dem Titel „Beschreibung und Verzeichnis der Toreutica-Waare der Klauerschen Kunstfabrick zu Weimar“ verschickt.
Wie Jan Mende weiter berichtete und an Landkarten demonstrierte, haben weitere Gips-, Ton- und Pappmaché-Produzenten antike Bildwerke, aber auch Büsten von Zeitgenossen „in Serie“ produziert und verkauft. Unter dem Motto „Goethe und Schiller für alle“ wurden Geistesgrößen und Künstler als Helden einer neuen Zeit sogar auf Jahrmärkten angeboten. Martin Klauer, der als Weimarer Hofbildhauer schlecht bezahlt wurde, hatte mit seinen Erzeugnissen ein gutes Einkommen, und Zeitgenossen lobten seine Arbeit. Auch Johann Gottfried Schadow hat seine Goethe und andere Zeitgenossen betreffenden Büsten und Bildwerke in kleinen Serien aus Gips, Ton und Porzellan reproduziert und auf diese Weise national und international bekannt gemacht. Gut im Geschäft waren mit großen und kleinen Figuren auch die Königliche Porzellanmanufaktur und die Königliche Eisengießerei zu Berlin. Über den Vortrag und Pläne für den Münzfries von Schadow wird Helmut Caspar auf der Internetseite unserer Gesellschaft ausführlicher berichten.

Mit dem Münzfries und seiner Restaurierung in der Bastion Königin der Spandauer Zitadelle geht es im Frühjahr 2026 los, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Schadow Gesellschaft, Dr. Christina Petersen. Das berühmte, seit Jahrzehnten aber vergessene Bildwerk werde eines Tages „für alle“ in einen vorzeigbaren Zustand versetzt und „für alle“ zugänglich sein. Sie dankte der Preußischen Seehandlung für eine vom Kuratoriumsmitglied Dr. Hans Gerhard Hannesen vermittelte Spende in Höhe von 9000 Euro. „Der Transport des 38teiligen Frieses aus Sandstein erfolge unter der Verantwortung des noch auszuwählenden Restaurators/Restauratorin vom Kreuzbergdenkmal zur Spandauer Zitadelle im Frühjahr 2026. Die Schaurestaurierung in einem leer geräumten Gewölbe der Bastion Königin beginnt im Sommer 2026.“ Die Mittel für die eigentliche Restaurierung müssten noch beschafft werden, Spenden würden gern entgegengenommen.
Die Schadow Gesellschaft stellt 110 000 Euro zur Verfügung. Die gesamte Maßnahme wird sich über mehrere Jahre erstrecken. Teile des restaurierten Frieses werden im Rahmen von Führungen und Veranstaltungen der Öffentlichkeit mit dem Ziel vorgestellt, dabei auch neue Mitglieder und Spender für die Schadow Gesellschaft Berlin e.V. zu.

Schadow Gesellschaft Berlin: Münzfries
Schadow Gesellschaft Berlin: Münzfries
Schadow Gesellschaft Berlin: Münzfries

Die Restauratorin Sonntag Saskia Mariam Sonntag bezeichnete in ihrem Vortrag den Zustand des noch in den Katakomben des Kreuzbergdenkmals vor sich hindämmernden Bildwerks im Großen und Ganzen als gut. Sie zeigte Bilder von Schadensstellen und solche mit größeren Substanzverlusten an Kanten und Ecken, hervorgerufen durch frühere Transporte und Umlagerungen, aber auch durch unsachgemäße Restaurierungen und Ergänzungen durch Zement. Frau Sonntag beschrieb das Vorgehen beim Transport von Kreuzberg nach Spandau und wie die 500 bis 800 Kilogramm schweren Reliefplatten vorsichtig verpackt, transportiert und wieder ausgepackt und wie brüchige und lose Details geschützt werden sollen. Christina Petersen berichtete, dass das Gewölbe in der Bastion Königin beräumt wird. Zuvor hatten sie und ihr Ehemann Knud Petersen die dort befindlichen Spolien genau vermessen, registriert und zugeordnet. Da zwei Drittel der oben genannten Summe für den Transport und vorbereitende Maßnahmen aufgewendet werden müssen, wird um weitere Spenden gebeten.

Schadow Gesellschaft Berlin: Attika des Humboldt Forum
Nachdem der barocken Figuren nachempfundene Skulpturenschmuck auf der Attika des Humboldt Forum gehievt worden war, erfuhren Teilnehmer eines Spaziergangs im August 2025 vom Vereinsvorsitzenden Professor Lindemann, warum solcher Schmuck unbedingt zu fürstlichen Palästen gehört.

 


Text und Fotos: Helmut Caspar, Repros aus einem Flyer von Christina Petersen zum Thema Münzfries