Mitglieder der Schadow Gesellschaft Berlin trafen sich zur Auftaktveranstaltung in der Spandauer Zitadelle

Trotz brütender Hitze kamen am 23. Juni 2026 zahlreiche Gäste in die gut gekühlte Bastion Königin der Spandauer Zitadelle zur Auftaktveranstaltung „Restaurierung Münzfries“. Sie sahen sich in dem Raum um, in dem ab Herbst dieses Jahres die 39 Reliefs des 36 Meter langen Münzfrieses aufgestellt und vsl. ab 2027 unter den Augen der Besucher restauriert werden sollen. Wo es nötig ist, werden fragile Stellen gefestigt und vorsichtig ergänzt.

Dr. Urte Evert, die als Leiterin der Museen auf der Spandauer Zitadelle mit Team das Projekt fördert und unterstützt, freut sich auf die interessante Arbeit an und mit dem über 220 Jahre alten Relief. Der Vorstandsvorsitzende der Schadow Gesellschaft Berlin e.V., Prof. Dr. Bernd Lindemann, dankte für die Unterstützung und wies darauf hin, dass die bereits zur Verfügung stehenden Mittel für die Maßnahme von etwa 120.000 Euro die wirklichen Kosten für die Restaurierung nicht decken. Deshalb wird um weitere Spenden gebeten, um die benötigten ca. 180.000 Euro zu erreichen. Er sei zuversichtlich, dass die demnächst beginnende Restaurierung dieses einzigartigen, leider zu Unrecht vergessenen Kunstwerks viele Neugierige anziehen wird und auch die Spendenfreudigkeit belebt.

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Schadow Gesellschaft Berlin: Münzfries, Zitadelle Spandau
Dr. Andreas Kaernbach berichtete in der Bastion Königin, in dem Raum, der bereits für die Ankunft des Münzfrieses hergerichtet wurde, über die bedeutung und geschichte des Münzfrieses, wobei einige Friesteile als Fotos in Originalgröße gezeigt wurden.

Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Christina Petersen berichtete über den Stand der Verträge. Der Leihvertrag zwischen der Alten Nationalgalerie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Schadow Gesellschaft Berlin e.V. zwecks Restaurierung des Münzfrieses wurde gemeinsam erarbeitet, ebenso eine Nutzungsvereinbarung für die Räume auf der Zitadelle. Die Restauratorin Saskia Mariam Sonntag bereitet die 36 Reliefplatten aus der Zeit um 1800 so vor, dass sie Ende August beim Transport vom Kreuzbergdenkmal nach Spandau keinen Schaden nehmen.

Dr. Andreas Kaernbach, Vorstandsmitglied der Schadow Gesellschaft Berlin, hielt einen interessanten Vortrag über Geschichte und Bedeutung des nach einem Entwurf von Friedrich Gilly in der Werkstatt von Schadow gefertigten Münzfrieses. Er sprach über das wechselvolle Schicksal des Bildwerks und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Restaurierung den Bekanntheitsgrad des Münzfrieses hebt und er nach langer Abwesenheit als herausragendes Zeugnis frühklassizistischer Bildhauerkunst erkannt und anerkannt wird. Die Reliefs seien eine herausragende Schöpfung der Berliner Bildhauerei an der Wende zum 19. Jahrhundert, als sich Preußen zu einem respektablen Industriestandort entwickelte und sich im Zuge der Stein-Hardenbergschen Reformbewegung von feudalen Fesseln befreite. Die Königliche Münze am Werderschen Markt in der Nähe des Berliner Schlosses sei mehr als ein bloßes Funktions- und Fabrikgebäude gewesen, sondern ein beim König hoch angesiedeltes Bauprojekt, das den Geist der Moderne in klassizistischer Verkleidung atmet.

Heinrich Gentz, der Sohn des preußischen Generalmünzdirektors Johann Friedrich Gentz, entwickelte eine neue, an Frankreich orientierte Revolutionsarchitektur ohne barocken Bombast. Neben dem von Karl Gotthard Langhans gestalteten Brandenburger Tor war die Münze am Werderschen Markt der zweite klassizistische Bau in Berlin. Der an drei Fassaden der Münze angebrachte Fries, markiert die Geburtsstunde des preußischen Klassizismus. Er schildert das Programm der auf Fortschritt und Liberalität orientierten Regierung.

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Schadow Gesellschaft Berlin: Münzfries, Zitadelle Spandau
Über etliche Zwischenstationen gelangt der Gilly-Schadow-Fries demnächst von der anno 1800 auf dem Werderschen Markt eingeweihten Königlichen Münze jetzt in die Bastion Königin der Spandauer Zitadelle. Wer möchte, kann bald in der Bastion Königin der Reinigung und Restaurierung des klassizistischen Bildwerks zuschauen.

Im zweiten Teil seines Vortrags würdigte Andreas Kaernbach den aus Sachsen stammenden und sehr erfolgreich in Preußen tätigen Oberbergbaurat und Minister Friedrich Anton von Heinitz. Er war nicht nur für das Berg- und Hüttenwesen der Hohenzollern-Monarchie zuständig, sondern trieb mit den Reformpolitikern Karl von und zum Stein, Karl August von Hardenberg, Alexander von Humboldt und anderen die Modernisierung des preußischen Staates voran. Als Kurator der Berliner Akademie der Künste sorgte Heinitz dafür, dass Lehrlinge in den Fächern Malerei und Formgebung der KPM kostenlosen Unterricht in der Akademie erhielten.

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Schadow Gesellschaft Berlin: Münzfries, Zitadelle Spandau
Der von Daniel Beger geschaffene Kupferstich (links) zeigt Friedrich Anton von Heinitz als Minister und Chef des Berg- und Hüttendepartements in der zeittypischen Uniform. Die von Johann Gottfried Schadow geschaffene Büste aus dem Jahr 1802 zeigt den Minister und Kurator der Berliner Akademie der Künste. Der Bildhauer verdanke Heinitz viel und nannte ihn einen Mann von Geschmack und Weitblick. Johann Gottfried Schadow (rechts) widmete dem früh verstorbenen Friedrich Gilly 1801 eine Marmorbüste.

Über den Räumen der Königlichen Münze im Erdgeschoss bekamen die Mineraliensammlung und die Bauakademie ihre Räume. Die behutsame Abnahme des Reliefs von der Fassade der außer Betrieb genommenen Prägeanstalt erfolgte 1869. Über seine weitere Verwendung gab es damals Diskussionen und auch den Vorschlag, den Fries einem Museum zu überweisen. Dem Vorschlag folgte man nicht und so wurde die Bilderfolge in einen nach Plänen von Georg Heinrich Bürde (Haupt- und Nebengebäude) und Friedrich August Stüler (Fassade) in Formen der Neorenaissance gestalteten Neubau an der Unterwasserstraße eingefügt.
Das weitere Schicksal des Bildwerkes war, so Andreas Kaernbach, eine Berliner Groteske. Die Münze am Werderschen Markt wurde, in ihrem künstlerischen und politischen Wert verkannt, 1886 abgerissen, um Platz für ein Kaufhaus zu schaffen. An der Unterwasserstraße haben die Bildhauer Hugo Hagen und Rudolf Siemering um 1869 die Bilderfolge, weil sie für die neue Fassade zu kurz war, um einige Platten verlängert. Wie das geschah, hat Dr. Manfred Uhlitz in einem Beitrag für die Publikation der Staatlichen Münze „Der Münzfries von Johann Gottfried Schadow“ aus dem Jahr 2014 ausführlich geschildert und dabei auch erklärt, wie das weitere Schicksal des Reliefs aussah und wie man mit ihm nach dem Zweiten Weltkrieg umgegangen ist.

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Eine Kopie des Gilly-Schadow-Reliefs schmückt heute noch die Fassade der ehemaligen Reichsmünze am Molkenmarkt.
Hier wurde viele Jahre das Hartgeld der DDR und nach 1990 das der Bundesrepublik Deutschland hergestellt.

Am Molkenmarkt entstand in den 1930er Jahre eine weitaus größere Reichsmünze, in deren Fassade eine Kopie des Gilly-Schadow-Reliefs eingefügt wurde. Das Original verzierte, von vielen Kunstfreunden als unpassend und unwürdig empfunden, für ein paar Jahre die Fassade eines Altenwohnheims nahe dem Schloss Charlottenburg. Fünf Reliefs aus Gips wurden auf Initiative von Klaus Gehrmann, dem ehemaligen Geschäftsführer der Schadow Gesellschaft Berlin e.V., an der Fassade eines Oberstufenzentrums in Moabit befestigt.

Andreas Kaernbach stellte am Schluss seines mit großem Beifall aufgenommenen Vortrags weitere Reliefs aus dieser Zeit am Brandenburger Tor sowie am Schadow-Haus in der Schadowstraße vor.

Die Gäste sahen sich nach einem köstlichen Imbiss in der Bastion Königin um und konnen dabei auch Reste von Skulpturen betrachten, die von öffentlichen Straßen und Gebäuden Asyl in der Zitadelle erhalten haben. Nebenbei war zu erfahren, dass von den Marmordenkmälern der Generale der Befreiungskriege, Gerhard Johann David von Scharnhorst und Friedrich Wilhelm von Bülow, Kopien aus Marmor angefertigt werden. Die von Umweltschäden betroffenen Originale waren vor einigen Jahren von der Straße Unter den Linden genommen und in die Spandauer Zitadelle überführt worden. Die Kopien aus Marmor werden in einigen Jahren wieder Unter den Linden zu sehen sein.

 


Text und Fotos: Helmut Caspar