Am 5. März 2026 führte Dr. Jörg Kuhn die Schadow-Gesellschaft durch den Dorotheenstädtischen Friedhof. Dieser Gottesacker, gelegen zwischen Chausseestraße und Hannoversche Straße, ist die letzte Ruhestätte von zahlreichen Berliner Berühmtheiten.
Herr Dr. Kuhn zeichnete zunächst die Geschichte von Dorotheenstadt und Friedrichswerder (beides Neugründungen des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts) nach und machte deutlich, welche Bedeutung die mit dem Toleranzedikt von Potsdam nach Brandenburg eingewanderten Hugenotten für diese Stadtteile hatten (heute noch gibt es direkt neben dem Dorotheenstädtischen auch noch den Französischen Friedhof).
Der ursprüngliche Friedhof lag übrigens nicht an der heutigen Stelle, sondern dort, wo sich heute der Friedrichstadt-Palast erhebt. Erst später, als der Platz knapper wurde, wurde das jetzige, damals vor der Stadt gelegene Gelände gepachtet (der Eigentümer war offenkundig dankbar, dass ihm das unfruchtbare Land nun Gewinn brachte).
Die Grabmäler stammen im Wesentlichen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Für unsere Gesellschaft hervorzuheben ist selbstverständlich das Begräbnis von Johann Gottfried Schadow, direkt neben einem (allerdings heute verschlossenen) Eingangstor gelegen. Auch Christian Daniel Rauch hat dort seine letzte Ruhestätte gefunden, ebenso der Architekt Schinkel, die Dichter Heinrich Mann, Christa Wolf oder Heiner Müller (auf dem Grab des Letzteren ist übrigens eigens ein Aschenbecher installiert, war Müller doch leidenschaftlicher Zigarrenraucher).
Herr Dr. Kuhn verstand es nicht nur, die Geschichte der Grabmäler zu erläutern (nicht wenige der Skulpturen und Plastiken sind heute Kopien, da sie zwischenzeitlich gestohlen worden waren), sondern auch lebhaft Details der Geschichte und Anekdoten über die dort Beigesetzten zu vermitteln. So erfuhren wir auch, dass die größten Grabplatten Berlins auf der letzten Ruhestätte von Ernst Litfaß (dem Erfinder der gleichnamigen Säulen) liegen.
Herr Dr. Kuhn, beruflich tätig für den Evangelischen Friedhofsverband Berlin, Stadtmitte Region Süd, und langjähriges Mitglied unserer Gesellschaft, ist ein profunder Kenner dieses Aspekts der Berliner Kultur-, Sozial- und Kunstgeschichte. Die Teilnehmer der Veranstaltung waren für die Fülle der Eindrücke und Informationen sehr dankbar.
Im Anschluss ermöglichte uns Herr Apostolos Tsolakidis (Koordinator für Kunstvermittlung und Kulturarbeit) an einer Präsentation der Turrell-Kapelle teilzunehmen.
Der amerikanische Künstler James Turrell hat die in den 1920er Jahren errichtete Friedhofskapelle zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit einer höchst beeindruckenden Lichtinstallation ausgestattet. Die einfallende Dämmerung gab uns beste Gelegenheit, die wechselnde Farb- und Lichtwirkung dieses Kunstwerks zu erleben, wofür wir ebenfalls sehr herzlich danken.
Text: Bernd Lindemann
Fotos: Knud Petersen