Mitglieder der Schadow Gesellschaft besuchten zwei großartige Ausstellungen mit Karl Heinz Wegmann, der durch seine fachkundige Führung, mitreißenden Erläuterungen und persönlichen Sichtweisen ungewöhnliche und unvergessliche Kunsterlebnisse ermöglichte.
Trotz Schnee und Eisglätte machten sich am 28. Januar einige Unverzagte auf den Weg in das Museum Barberini in Potsdam um die Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ anzuschauen, die rund 150 Werke und Objekte, darunter Arbeiten von Arnold Böcklin, Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Angela Hampel, Rebecca Horn, René Magritte, Gustave Moreau, Aurélie Nemours, Olaf Nicolai, Joachim Sandrart, Marie Cécile Thijs und Maerten de Vos präsentierte.


Die Bandbreite der Exponate bildete eine Zeitspanne vom zweiten Jahrtausend vor Christus bis in die Gegenwart ab und umfasste neben Gemälden und Grafiken auch Skulpturen, Manuskripte, Tapisserien, Videoarbeiten und Kunstkammerobjekte. 80 Leihgeber aus 16 Ländern haben Werke beigesteuert, was bisher selten geschah. Da die Fülle der Objekte den zeitlichen Rahmen der Führung überstieg und nicht alles angeschaut werden konnte, konzentrierte sich Karl Heinz Wegmann auf die Bedeutung des Fabeltiers und Faszination für das magische Einhorn, das seit Jahrhunderten in vielen Kulturen belegt ist und wie kein anderes Tier die Phantasie angeregt. Es stand und steht für Freiheit und Unbezähmbarkeit, für Reinheit und Unschuld, für Natürlichkeit und Zuneigung. Es galt als Symbol für Christus, weshalb es auf vielen Altarbildern gezeigt wurde, es galt als Zeichen der Keuschheit und wurde oft mit einer jungen Frau gemalt, und seinem Horn wurden medizinische Wunderkräfte nachgesagt, weshalb sich viele Apotheken nach dem Einhorn benannten. Im Mittelalter zweifelte niemand an der Existenz des Einhorns, schließlich kam es ja auch in der Bibel vor. Außerdem gab es als sichtbaren Beweis das wundersame Horn des Einhorns, das in manchen großen Kirchen zu sehen war: eine lange weiße, spiralig gedrehte Stange, die oben spitz zuläuft. Erst im 17. Jahrhundert konnten Naturforscher beweisen, dass es sich dabei um einen Zahn des Narwals handelt. Aber auch diese wissenschaftliche Erkenntnis konnte der Anziehungskraft des Einhorns keinen Abbruch tun.
Der zweite Ausstellungsbesuch führte am 10. Februar in die Alte Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. Dort wurde erstmals die Scharf Collection, eine der bedeutendsten deutschen Privatsammlungen, in großem Umfang präsentiert. Die Sammlung umfasst überwiegend französische Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sowie zeitgenössische internationale Kunst. Die Ausstellung zeigte eine Auswahl von rund 150 Werken, darunter herausragende Werke von Auguste Renoir, Pierre Bonnard, Edgar Degas sowie Claude Monet, und lud zu einer Reise durch die Sammlung ein: Von Goya und dem französischen Realismus über die französischen Impressionisten und Kubisten bis hin zur zeitgenössischen Kunst.


Die Scharf Collection steht in direkter Nachfolge der bedeutenden Berliner Privatsammlung Otto Gerstenbergs, die von den Anfängen der Moderne bei Goya bis zu Wegbereitern der französischen Avantgarde mit Gustave Courbet und Edgar Degas reichte. Seiner Tochter Margarethe Scharf gelang es, den Großteil der Sammlung trotz vieler Kriegsverluste über den Zweiten Weltkrieg zu retten. Die Enkel Walther und Dieter Scharf bauten auf den ihnen vermachten Werken jeweils eigene Sammlungen auf: Dieter Scharf konzentrierte sich auf den Surrealismus. Seine Sammlung ist seit 2008 als Dauerleihgabe an die Nationalgalerie in der Sammlung Scharf-Gerstenberg in Berlin-Charlottenburg zu sehen. Walther Scharf und dessen Frau Eve bauten – auch gemeinsam mit ihrem Sohn René – den französischen Schwerpunkt weiter aus. Sie erwarben Werke von Claude Monet, Paul Cézanne, Pierre Bonnard, Henri Matisse und Pablo Picasso. Heute richten René Scharf und seine Frau Christiane den Blick auf die zeitgenössische Kunst, sie führen damit die familiäre Sammlungstradition mit Werken von Sam Francis, Sean Scully, Daniel Richter und Katharina Grosse in die Gegenwart.
Wir danken Herrn Wegmann sehr herzlich für sein Engagement und freuen uns auf weitere Ausstellungsbesuche unter seiner Führung.
Fotos und Text: Ch. Petersen
Quellen: Museum Barbarini Potsdam und Staatliche Museen zu Berlin