Er spielte nur die zweite Geige.
Der vor 300 Jahren geborene Prinz Heinrich tritt aus dem Schatten seines großen Bruders Friedrichs II. von Preußen

Er war der kleine Bruder des großen Friedrich und 14 Jahre jünger als dieser, ein Mann, der selbst in seiner Residenz Rheinsberg lange Zeit kaum bekannt war. Die Rede ist vom Prinzen Heinrich von Preußen, der vor 300 Jahren, am 18. Januar 1726, als Sohn des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. geboren wurde. Schloss und Park Rheinsberg nördlich von Berlin waren Heinrichs Refugium und Lebensmittelpunkt, obwohl er einen großen Palast in Berlin unter den Linden besaß, die heutige Humboldt-Universität. Nach seiner Thronbesteigung 1740 überließ Friedrich II., der Große, vier Jahre später Schloss und Park Rheinsberg seinem erst 18 Jahre alten Bruder Heinrich, der sich als Freund alles Französischen Henri Louis nannte. Der Prinz machte aus Friedrichs Sommersitz einen Musenhof, der bald weit über Rheinsberg hinaus Berühmtheit erlangte.

Heinrichs 300. Geburtstag ist für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, für Rheinsberg und das Land Brandenburg ein willkommener Anlass, im Jubiläumsjahr 2026 zu zeigen, wer dieser Hohenzollernspross war, der immer nur die zweite Geige spielen musste. Es wird gezeigt, welche Spuren er hinterlassen hat und warum er als Feldherr, Kunstsammler, Denker und Gastgeber illustrer Personen die große Zahl von Leuten seines Standes überragt hat. Nicht verschwiegen werden dabei auch die Spannungen die zwischen Friedrich und Heinrich, die aber um den lieben Familienfriedens willen nie offen ausgetragen wurden. Im Jubiläumsjahr 2026 ehrt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg ein Mitglied des Hauses Hohenzollern, der um ein Haar König von Polen geworden wäre, hätte Friedrich II. dagegen nicht sein Veto eingelegt, während Heinrich vom Anerbieten, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, vorsichtshalber selber Abstand nahm. Das Festprogramm richtet sich sowohl an Gäste jeden Alters als auch an Historiker und Kunstfreunde aus Deutschland und der Welt. Sie alle sind eingeladen, sich auf vielfältige Weise dem Prinzen und seiner Epoche zu nähern. Angekündigt sind Konzerte, Lesungen, Workshops, Ausstellungen und Theateraufführungen, die Bezüge ins 18. Jahrhundert und in unsere Gegenwart herstellen und Heinrichs Leben und Schaffen sichtbar machen.

Schadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich - Holzstich von Adolph Menzel
Schadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich - KupferstichSchadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich - am Sockel des Friedrich-Denkmals Unter den Linden in Berlin
Zeit seines Lebens stand Prinz Heinrich im Schatten seines Bruders (links Holzstich von Adolph Menzel). Als Feldherrn hat man ihn zu seinen Lebzeiten auf dem Kupferstich dargestellt, seine Reiterfigur schmückt den Sockel des Friedrich-Denkmals Unter den Linden in Berlin.

Heinrich war ein bedeutender Feldherr und Diplomat, gern gesehener Gast an den Höfen in Paris, Sankt Petersburg und Stockholm, ein Förderer der Künste und mehr als ein halbes Jahrhundert Herr über den Rheinsberger Musenhof. Getrieben von Ruhmsucht, die er engen Freunden auch offenbarte, und dem Willen, durch Heldentaten in die Geschichtsbücher zu gelangen, setzte Friedrich II. in den Schlesischen Kriegen die Existenz seiner Dynastie und seines Landes aufs Spiel. Unterordnung unter seinen Willen war oberstes Gebot. Ungeachtet verbaler Freundlichkeiten und erheblicher Geldzuwendungen war das Verhältnis des Königs zu seinen Brüdern August Wilhelm, Heinrich und Ferdinand schwierig.

Der sich feinsinnig und tolerant gebende Herrscher, den manche einen „Philosophen auf dem Thron“ nannten, wurde gelegentlich ausfallend, wenn ihm etwas bei seinen Brüdern nicht in den Kram passte oder sie sich in einer Konkurrenzsituation zu ihm, dem im Kleinen wie im Großen diktatorisch regierenden Oberhaupt der Familie und Landesvater, befanden. „Es gibt eine Art Zwitterwesen, die weder Herrscher noch Privatleute sind und die sich bisweilen sehr schwer regieren lassen: Das sind die Prinzen von Geblüt“, schrieb der König in seinem Politischen Testament von 1752, in dem er sich als Diener seines Staates beschrieb, und stellte damit seinen Brüdern ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus. „Ihre hohe Abstammung flößt ihnen einen gewissen Hochmut ein, den sie Adel nennen. Er macht ihnen den Gehorsam unmöglich und jede Unterwerfung verhasst. Sind irgendwelche Intrigen, Kabalen und Ränke zu befürchten, von ihnen können sie ausgehen. In Preußen haben sie weniger Macht als irgendwo sonst. Aber das beste Verfahren ihnen gegenüber besteht darin, dass man den ersten, der die Fahne der Unabhängigkeit erhebt, energisch in seine Schranken weist, alle mit der ihnen gebührenden Auszeichnung behandelt, sie mit allen äußeren Ehren überhäuft, von den Staatsgeschäften aber fernhält und ihnen nur bei genügender Sicherheit ein militärisches Kommando anvertraut, das heißt, wenn sie Talent und einen zuverlässigen Charakter besitzen“.

Schadow Gesellschaft Berlin: August Wilhelm, Friedrich, Prinz Heinrich
Schadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich und Wilhelmine
Bei den Hohenzollern hatte König Friedrich II. den Hut auf, nichts ging ohne seine Genehmigung. August Wilhelm, auf den Friedrich zeigt, starb bereits 1758, Heinrich (rechts) wurde 76 Jahre alt und starb 1802. Die Ehe von Wilhelmine und Heinrich bestand nur pro forma, denn Heinrich liebte Männer und wollte von seiner Frau nichts wissen.

Da Friedrichs Brüder mitunter jene „Fahne der Unabhängigkeit“ schwenkten, wurden sie konsequent von allen Staatsgeschäften ferngehalten. Hätte der König sie zu Wort kommen lassen, wären den Völkern sicher große Opfer an Gut und Blut erspart worden. Um Heinrich zu besänftigen, vermachte der König ihm im Testament von 1769 200 000 Taler, 50 Eimer Ungarwein, einen schönen Kronleuchter aus Bergkristall in Potsdam, den grünen Diamanten, den er am Finger trägt, zwei Handpferde mit Zubehör und ein Gespann von sechs preußischen Pferden. Damit war die Existenz des Rheinsberger Hofs für längere Zeit gesichert.

Heinrich war ein Mann der Widersprüche, den die Strenge seines Vaters und die Dominanz und Ungeduld seines Bruders geprägt hat. Da beide Brüder Männer liebten, waren ihre Ehen unglücklich und ohne Kinder. So genannte Favoriten wussten die als „unschicklich“ bezeichnete, aber nicht verbotene Nähe zu dem in sie verliebten Prinzen, wie Theodor Fontane in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ schildert, für eigene Zwecke auszunutzen, etwa um auf der Karriereleiter hochzusteigen oder von ihm finanziell zu profitieren. Im Katalog zur großen Ausstellung von 2002 „Prinz Heinrich von Preußen. Ein Europäer in Rheinsberg“ im Rheinsberger Schloss wird diese Seite in seiner Biographie nicht ausgespart. Heinrich konnte charmant und liebenswürdig sein, wenn er junge Männer um und bei sich hatte. Doch wenn es um die eigene Gemahlin Wilhelmine von Hessen-Kassel ging, ließ er ähnlich wie Friedrich II. im Verhältnis zu seiner Gattin Elisabeth Christine jede Contenance fahren und konnte sehr ungnädig sein.

In ihren Schlössern Sanssouci und Rheinsberg konnten die Brüder Abstand von den schrecklichen Erlebnissen in den Schlesischen Kriegen gewinnen, ihren literarischen und künstlerischen Neigungen nachgehen und dem Alltag entfliehen. Wenn man früher nach Rheinsberg kam, war meist vom Kronprinzen Friedrich die Rede, der hier einige glückliche Jahre verlebt hat, bis er 1740 seinem Vater, dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., auf den Thron folgte. Das Bronzedenkmal des jungen Friedrich steht auf dem Schlossplatz, auf ihn konzentrieren sich alle Blicke. Dabei bewohnte der 14 Jahre jüngere Heinrich die Residenz über ein halbes Jahrhundert lang und hat hier bedeutende Spuren hinterlassen. Das Schloss am Grienericksee war von 1734 bis 1740 von Johann Gottfried Kemmeter und Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff für den Kronprinz Friedrich errichtet worden. 1744 hat er seinen erst 18 Jahre alten Bruder Heinrich mit dem Besitz „begnadet“. Dieser hat das Haus weiter verschönert sowie in der Nähe ein Theater und Bauten für seinen Hofstaat errichten lassen. Das Geld dafür erhielt er von seinem königlichen Bruder, der nur allzu gern den als Konkurrenten, was „Männersachen anlangt angesehene Prinzen“ möglichst fern von seinem Hof in Berlin und Potsdam zu sehen wünschte.

Schadow Gesellschaft Berlin: Schloss Rheinsberg außen
Schadow Gesellschaft Berlin: Schloss Rheinsberg innen
Das Rheinsberger Schloss diente in DDR-Zeiten als Sanatorium. Das führte zu Umbauten und Beschädigungen, die nach 1990 beseitigt wurden. Die originale Ausstattung ist verloren, wurde aber von der Schlösserstiftung aus ihrem Fundus so gestaltet, dass man gut sehen kann, in welch edel gestalteten Räumen Prinz Heinrich und sein Hof lebten.

Wenn man früher nach Rheinsberg kam, war meist vom Kronprinzen Friedrich die Rede, der hier einige glückliche Jahre verlebt hat, bis er 1740 seinem Vater, dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., auf den Thron folgte. Das Bronzedenkmal des jungen Friedrich steht auf dem Schlossplatz, auf ihn konzentrieren sich alle Blicke. Dabei bewohnte Heinrich die Residenz über ein halbes Jahrhundert lang und hat hier bedeutende Spuren hinterlassen. Das Schloss am Grienericksee war von 1734 bis 1740 von Johann Gottfried Kemmeter und Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff für den Kronprinz Friedrich errichtet worden. 1744 hat er seinen erst 18 Jahre alten Bruder Heinrich mit dem Besitz „begnadet“. Dieser hat Schloss und Park weiter verschönert sowie ein Theater und Bauten für seinen Hofstaat errichten lassen. Das Geld dafür erhielt er von Friedrich II., der den Prinzen möglichst fern von seinem Hof in Berlin und Potsdam zu sehen wünschte.

Schadow Gesellschaft Berlin: Schloss Rheinsberg, Prinz Heinrich
Schadow Gesellschaft Berlin: Schloss Rheinsberg, Prinz Heinrich
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten stellt den Prinzen Heinrich von Preußen in den Mittelpunkt des Jubiläumsjahrs 2026 und zeigt, wie sehr er die Rheinsberger Schlösser- und Stadtlandschaft geprägt hat und wie seine Strahlkraft bis in die Gegenwart reicht.

Dieser Prinz ohne Hoffnung auf die preußische Krone durfte sich mit Friedrich dem Großen nicht anlegen, so lange er an der Macht war. Als der König am 17. August 1786 im Schloss Sanssouci 74jährig starb, konnte der Prinz die ihm angelegten Fesseln abstreifen und sich einen Traum erfüllen – die Errichtung einer Gedenksäule für Männer, die große Verdienste um den preußischen Staat und seine Armee erworben haben, aber nicht ausreichend von Friedrich II. gewürdigt wurden, wie Heinrich befand. Die Säule oder, wie man besser sagt Pyramide, steht vis-à-vis vom Schloss am anderen Ende des Grienericksees und ist mit 30 Inschriften aus kleinen Bronzebuchstaben bedeckt. In französischer Sprache, die zu Zeiten des Prinzen Heinrich am Rheinsberger Hof üblich war, werden Generale und Offiziere geehrt. Vermerkt sind auf den vier Seiten ihre Namen sowie militärischer Rang und Verdienste in den Kriegen, die Friedrich II. mehr an den Rand des Unterganges brachten. Die Besonderheit an diesem Monument ist, dass der Name des königlichen Bruders fehlt. Das war Heinrichs Art, sich an seinem Herrscher und Bruder zu rächen.

Schadow Gesellschaft Berlin: Rheinsberg, Prinz Heinrich
Schadow Gesellschaft Berlin: Rheinsberg, Prinz August Wilhelm, Pyramide
Ungeachtet naher Familienbande mischte sich Friedrich II. – das Bronzedenkmal vor dem Rheinsberger Schloss zeigt ihn als Kronprinzen – in die Angelegenheiten des jüngeren Bruders ein, was zu Reibereien führte. Das Porträt auf der Pyramide im Rheinsberger Schlosspark zeigt den Prinzen August Wilhelm, dem Friedrich II. zu Unrecht Versagen zu Beginn des Siebenjährigen Krieg als Befehlshaber vorwarf.

„Prince Henri Louis, frère du Roi“, wie man Heinrich nannte, als wäre er nur ein Anhängsel des Königs, stand zu diesem in einem spannungsvollen Verhältnis. Beide waren Musensöhne, und beide waren Feldherren von Rang. Trotz freundschaftlicher Bekundungen brüderlicher Liebe gingen die beiden einander aus dem Weg. Wer in dieser Beziehung oben stand und wer sich mit der zweiten Stelle zufriedengeben musste, zeigt das von Christian Daniel Rauch geschaffene Reiterdenkmal Friedrichs des Großen Unter den Linden. Ganz oben reitet überlebensgroß der König, an der vorderen Ecke des Denkmalssockels sieht man den Prinzen Heinrich ebenfalls reitend, aber viel kleiner. Immerhin hat der Prinz einen prominenten Platz auf diesem bronzenen Kunstwerk bekommen.

Als er 1802 mit 76 Jahren gestorben war, hat man ihn in der Grabpyramide unweit des Rheinsberger Schlosses beigesetzt und den Eingang zugemauert. Die dort eingelassene Inschrift charakterisiert den Prinzen in französischer Sprache als einen Mann, der „durch seine Geburt in die Wirbel jener eitlen Dünste hineingeschleudert (wurde), die der große Haufen Ruhm und Größe nennt“. Der Verstorbene sei oft Ziel von Verleumdung und Opfer von Ungerechtigkeit gewesen und sei durch den Tod geliebter Angehöriger und treuer zuverlässiger Freunde gebeugt worden. Die von Heinrich verfasste Eloge endet mit den Worten „Bin ich nicht der beste Mensch gewesen, so gehöre ich doch nicht zur Zahl der Schlechten. Lob und Tadel können dem im Grabe nichts mehr anhaben“. Das zu Lebzeiten des Prinzen erbaute Mausoleum war wenige Jahrzehntes später, wie Theodor Fontane in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ schrieb, verfallen. Bei einer grundlegenden Instandsetzung 1884 wurde der ursprünglich nur verputzte Bau mit einer hart gebrannten Klinkerschicht verkleidet. Dies hat sich ungünstig auf die empfindliche Gruft ausgewirkt. Bei einer neuerlichen Restaurierung hat man diesen Missgriff korrigiert.

Schadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich, Rheinsberg, Grabmal
Schadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich, Rheinsberg, Sarg
Bestattet wurde der Prinz 1802 in einer Pyramide unweit seines Schlosses. Ihre abgebrochene Spitze ist ein Sinnbild für das Leben, das unvollkommen und unvollendet bleibt. Nur in Resten blieb der reich verzierte Paradesarg erhalten.

Den Tod des nur noch als Fossil aus einer vergangenen Epoche wahrgenommenen Prinzen nahmen die Verwandten und das Volk ohne größere Bewegung zur Kenntnis. Vom königlichen Hof in Berlin und Potsdam kaum noch wahrgenommen, hatte der kleine Bruder des Großen Königs seine letzten Lebensjahre fast ausschließlich in Rheinsberg verbracht. Er pflegte seine Kunstsammlungen, Korrespondenzen und Bücher und empfing in seinen Rokoko-Räumen Gäste aus aller Welt. Obwohl er ein weitblickender Politiker und Diplomat war, haben Friedrichs Nachfolger, die Könige Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III., ihn nicht zu Beratungen über wichtige politische Themen vor und nach der für ganz Europa so wichtigen Revolution von 1789 in Frankreich gebeten.

Schadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich, Medaille 1762
Schadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich, Medaille 1776
Die von Jacob Abraham geschaffene Medaille von 1762 auf den Sieg bei Freiberg feiert Heinrich als „niemals unterlegenen Sieger“ und bescheinigt ihm, mit den legendären Taten des Herkules wetteifern zu können (Olding 895). Die Medaille von Abraham Abramson zum 50. Geburtstag 1776 erklärt, der Prinz komme gleich nach dem König. Sie kombiniert das Bildnis des Prinzen mit einem Helm, der das Schild der bei den Römern als Göttin der Weisheit, der Kriegsführung, der Kunst und Hüterin des Wissens verehrten Minerva bedeckt und beschützt (Olding 898).

Warum der Prinz schon bald nach seinem Tod vergessen war, hat sicher damit zu tun, dass sein in jeder Hinsicht bedeutender Nachlass in Form von französischen Gemälden und Skulpturen sowie Büchern, Handschriften, Briefen und Landkarten, aber auch Möbeln, Porzellanen, und Silbersachen schon bald verkauft und in alle Winde verstreut wurde. Universalerbe war Heinrichs Bruder Ferdinand, der mit dem Nachlass unsensibel umging. Für die eigene Gemahlin Wilhelmine sorgte Heinrich so gut er konnte. Er hege keinerlei Gefühle des Hasses ihr gegenüber, die Staatsräson und sehr traurige Umstände hätten ihn genötigt, fern von ihr zu leben. „Ich entferne jedes Ärgernis aus meinem Gedächtnis, indem ich ihr Ruhe wünsche und den Genuss all dessen, wessen sie sich in ihrem Alter erfreuen kann. Ich bestätige alles, was ihr durch meinen Ehevertrag versprochen wurde.“ Eigentlich hätte Wilhelmine hätte Rheinsberg als Witwensitz zugestanden, aber sie blieb im Berliner Palais, wo sie 1808 starb.

Die Plünderung des Rheinsberger Schlosses ging einher mit dem Abriss zahlreicher Parkarchitekturen, womit das Anwesen seine Authentizität verlor. 1892 bedauerte Paul Seidel, der Direktor des Hohenzollernmuseums im Berliner Schloss Monbijou, dass von den Kunstsammlungen des Prinzen nichts von Belang übriggeblieben sei. Nach Heinrichs Tod hatten die Verwandten nichts Besseres zu tun, als seinen Besitz meistbietend zu verkaufen und auch Heinrichs Palais auszuschlachten. Rheinsberg verfiel in einen Dornröschenschlaf, und wenn man die Stadt und das Schlösserreich des Prinzen Heinrich besuchte, wie es Theodor Fontane tat, war nicht von ihm, sondern von König Friedrich II. die Rede. Da das Schloss nach 1945 als Sanatorium genutzt wurde, fiel es nicht der von den Kommunisten ausgerufenen Bilderstürmerei und der Aktion „Krieg den Schlössern“ zum Opfer.

Nur wenige Medaillen wurden dem Prinzen zu Ehren geprägt. Wer Auktionskataloge und Angebotslisten des Münzhandelns anschaut, findet selten eine dieser Prägungen. Sie sind im Katalog der Paul Henckel‘schen Sammlung Brandenburg-preußischer Münzen und Medaillen (Berlin 1876/77, Nachdruck Berlin 1987), im Buch von Tassilo Hoffmann „Jacob Abraham und Abraham Abramson – 55 Jahre Berliner Medaillenkunst“ (Frankfurt am Main 1927) und im Katalog von Manfred Olding „Medaillen auf Friedrich den Großen von Preußen 1712 bis 1786“ (Gietl Verlag Regenstauf 2003) verzeichnet.

Schadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich, Medaille 1759
Schadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich, Medaille 1777
Eine englische Medaille von 1759 bildet auf der Rückseite „Prince Henry“ und weitere Heerführer des Siebenjährigen Krieges ab (Olding 892). Die vom Berliner Stempelschneider Abraham Abramson geschaffene Medaille von 1777 zeigt auf der Rückseite eine Parze, die den Lebensfaden mit dem Rocken verknüpft und damit die Wiedergewinnung des Lebens andeutet. Den Spinnrocken legt die Schicksalsgöttin in eine Schale, die ein geflügelter Genius ihr reicht (Olding 899).

Der 60. Geburtstag des Prinzen 1786, dem Sterbejahr Friedrichs II., war nur eine kleine Medaille wert. Von Anton Friedrich König geschaffen, verbindet sie Heinrichs Bildnis mit dem Dreispitz sowie dem Band des Schwarzen Adlerordens am Fuße eines Tempels mit Symbolen des Friedens und des Krieges (Olding 900). Die Inschrift PER MAGNA MAGNVS könnte man mit „Durch große Leistung zu Größe gelangt“ übersetzen. Von Jacob Abraham, dem Vater von Abraham Abramson, stammen drei Medaillen, die den Prinzen in jüngeren und wohl auch glücklicheren Jahren darstellen, in einer Zeit, da man ihn als großen Feldherren verehrte, als der er auch reitend auf dem Sockelgeschoss des Berliner Friedrich-Denkmals von Christian Daniel Rauch dargestellt ist. Es handelt sich zunächst um eine Medaille von 1762 auf den Sieg bei Freiberg, die Heinrich „den niemals unterlegenen Sieger“ nennt und ihm Taten bescheinigt, die mit den Arbeiten des Herkules wetteifern. Da die Stempel schon bald rissen, musste Abraham ein neues Paar anfertigen, was geringe Abweichungen von der ersten, überaus seltenen Version erklärt. Die zweite vom gleichen Künstler gefertigte Medaille feiert den 50. Geburtstag des Prinzen und erklärt, er komme als Soldat gleich nach dem König. Die Hoffnung „Spät erst möge er in den Himmel zurückkehren“ wird auf der dritten Medaille von 1777 zur Wiederherstellung der Gesundheit des an einer Lungenentzündung schwer erkrankten Prinzen ausgesprochen.

Es dauerte lange Zeit, bis der Prinz quasi aus der Versenkung geholt und sein in DDR-Zeiten als Sanatorium benutztes, um nicht zu sagen missbrauchtes Schloss und der Park darum zu neuem Leben erweckt wurde. Das geschah 2002 zum 200 Todestag des Prinzen und ist in Form eines großartigen Katalogs dokumentiert und wird auch 2026 zu seinem 300. Geburtstag nicht anders sein.
Den Jubiläumsveranstaltungen und den Publikationen darf man viel Erfolg und Resonanz wünschen. Denn der aus dem Schatten seines großen Bruders geholte “Herr von Rheinsberg“ hat es verdient, dass man sich seiner freundlich und aufgeschlossen erinnert. 

Schadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich, Medaille
Schadow Gesellschaft Berlin: Prinz Heinrich, Medaille
Obwohl Heinrich 1762 in der Schlacht bei Freiberg einen bedeutenden Sieg über die von Österreich angeführte Reichsarmee errungen hat, fiel das Lob seines königlichen Oberbefehlshabers und Bruders nur verhalten aus. Kaum der Rede wert ist die Medaille (Olding 897) auf der ein Löwe (Preußen) einem zweiten Löwen in den Hintern beißt. Die von Abraham Abramson geschaffene Medaille auf den Tod des Prinzen betont in der Wortwahl des römischen Dichters Horaz „Er hat die zweithöchste Stelle eingenommen“. Der zu den Sternen auffliegende Adler lässt alles Irdische hinter sich.

 


Text, Fotos und Reproduktionen: Helmut Caspar